Medikamentöse Behandlung erklärt

Medikamente sind oft Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Sie können psychische Beeinträchtigungen und Erkrankungen wesentlich beeinflussen und lindern. Sowohl psychische als auch körperliche Erkrankungen beeinflussen Stoffwechselvorgänge im Gehirn. Wahrnehmen, Fühlen und Denken sind dann durch die reduzierte Funktion des Nervensystems verändert. 

Psychopharmaka können diese Veränderungen zum Teil ausgleichen oder verringern. Da sich diese Veränderungen bei schwereren Erkrankungen gar nicht oder nur sehr langsam durch die Selbstregulation von Körper und Geist ausgleichen können, helfen Medikamente oft sehr gezielt und sind oft die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung und für die Fähigkeit der Teilnahme an anderen Therapieangeboten.

Durch Medikamente kann die Ursache einer Beeinträchtigung oder einer Erkrankung behandelt oder die Symptome vermindert werden. So können betroffene Menschen Selbstheilungskräfte reaktivieren und neue Strategien entwickeln, um sich mit sich und ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Abhängig von den Symptomen einer Störung können gezielt Medikamente eingesetzt werden. Beispielsweise kann durch abgemilderte Ängste wieder Kontakt mit Menschen aufgenommen werden. Nutzloses Grübeln kann unterbleiben, und mit Konzentration kann man sich wieder Alltäglichem zuwenden. Der Schlaf kann sich normalisieren oder der Appetit kann sich verbessern. Der Körper kann sich wieder regenerieren und man fühlt sich wieder lebendiger. Gedanken können besser auf das Wesentliche konzentriert werden.

Wahl geeigneter Medikamente
Die Auswahl der geeigneten Medikamente trifft die Ärztin, der Arzt nach sorgfältiger Erfassung von Krankheitssymptomen und Vorgeschichte sowie dem Einbezug körperlicher Untersuchungsbefunde, Laborwerten und Ergebnissen weiterer Abklärungen. Bei der Wahl müssen viele verschiedene Faktoren beachtet werden: Medikamente ähnlicher Wirkung unterscheiden sich dennoch in der biochemischen Struktur, in der Dauer der Wirkung, in der Art der Ausscheidung aus dem Körper, in der Häufigkeit und Art von Nebenwirkungen, in der Verträglichkeit mit anderen Medikamenten und in anderen Punkten. Die Ärztin, der Arzt orientiert sich bei der Verordnung am Wirkstoff, der für die biochemischen Wirkungen (und Nebenwirkungen) verantwortlich ist. Der Handelsname des Herstellers spielt eigentlich keine Rolle. Wenn bei einem neu erforschten Medikament der Patentschutz abläuft, können andere Firmen den selben Wirkstoff herstellen. Diese Medikamente nennt man dann Generika. 

Im Gespräch schlägt die Ärztin, der Arzt ein Medikament vor und informiert die Patientin, den Patienten über Wirkung und Nebenwirkungen. Die medikamentöse Behandlung setzt das Einverständnis der Patientin, des Patienten zur Medikamenteneinnahme voraus. Eine notfallmässige medikamentöse Behandlung gegen den Willen der Patientin, des Patienten ist nur im Ausnahmefall gesetzlich gestattet.

Arten von eingesetzten Medikamenten

  • Beruhigungsmittel
    Beruhigungsmittel entspannen, vermindern Ängste und fördern einen besseren Schlaf. Sie können auch müde machen oder ein Schweregefühl entstehen lassen. Angewandt werden Beruhigungsmittel bei Unruhe, Nervosität, Suizidgefährdung, aggressivem Verhalten, starken Ängsten oder Schlafstörungen. Nebenwirkungen können z.B. sein: Übermässige Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit. Bei längerfristiger Anwendung kann bei einzelnen Präparaten eine Abhängigkeit entstehen.
     
  • Antipsychotika
    Ein Antipsychotikum (früher Neuroleptika) wird zur Behandlung psychotischer Symptome, starker Stimmungswechsel, in niederer Dosierung aber auch zur Entspannung und Angstlösung eingesetzt. Unter einer Psychose versteht man Veränderungen des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens, der Beziehung zur Umwelt wie unrealistische Gedanken. Nebenwirkungen können z.B. sein: Bewegungsstörungen oder Krämpfe, Bewegungsunruhe, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Potenzstörungen, Zyklusstörungen.
     
  • Antidepressiva
    Ein Antidepressivum (auch Stimmungsaufheller genannt) ist ein Medikament, das die Stimmung, den Antrieb und die Denkfähigkeit günstig beeinflusst. Angewandt werden Antidepressiva bei Depressionen, bei unangemessenen Ängsten, bei Zwängen und bei chronischen Schmerzen. Bei Schlafstörungen und Unruhe können speziell beruhigende Antidepressiva verordnet werden. Nebenwirkungen können z.B. sein: Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen (eher zu Beginn einer Behandlung), Mundtrockenheit, Müdigkeit, Veränderung von Potenz und sexuellem Erleben, Gewichtszunahme.
     
  • Stimmungsstabilisierende Medikamente
    Unter stimmungsstabilisierenden Medikamenten (auch Phasenprophylaktika genannt) werden Medikamente zusammengefasst, die bei ausgeprägten Wechseln der Stimmung und bei Anspannung stabilisierend wirken und kurz oder länger dauernde starke Gefühlsschwankungen verhindern können. Angewandt werden stimmungsstabilisierende Medikamente bei manisch-depressiver Erkrankung, bei wiederkehrenden Depressionen, bei manisch angetriebenem Zustandsbild, bei Aggressivität und bei starker Impulsivität. Nebenwirkungen sind je nach Zustand sehr unterschiedlich und können z.B. sein: Müdigkeit, Gewichtszunahme, bei Überdosierung Vergiftungserscheinungen.
     
  • Bei Suchterkrankungen 
    Bei Alkoholabhängigkeit und Abhängigkeit von Schmerz- oder Beruhigungsmitteln ist unter Umständen eine medikamentöse Entgiftungsbehandlung zur Vermeidung von lebensbedrohlichen Entzugssymptomen notwendig. Dabei werden Beruhigungsmittel, Epilepsiemedikamente, Neuroleptika und auch Vitaminpräparate eingesetzt. Der Entzug von illegalen Drogen ist in der Regel medizinisch unkomplizierter. Die teilweise subjektiv äusserst unangenehmen Entzugserscheinungen können durch den Einsatz von unterschiedlichen Medikamenten (Antidepressiva, Beruhigungsmittel, Blutdruckmedikamente, Drogenersatzstoffe) gemildert werden.
     
  • Bei Gedächtnisdefiziten
    Beispielsweise bei Symptomen einer Demenz werden spezifische Medikamente eingesetzt.
     
  • Bei Aufmerksamkeitsdefiziten (ADHS) 
    Manchmal kommen Stimulantien zum Einsatz.
     
  • Bei körperlichen Erkrankungen 
    Je nach Bedarf werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt. Notwendige Medikamente, die zuvor eingenommen wurden, werden nach ärztlicher Überprüfung weiterverordnet.