Gesprächsorientierte Behandlung

Sich über Sprache ausdrücken und erfahren!

Psychotherapie
Die Psychotherapie beruht auf der Beziehung zwischen Patientin bzw. Patient und Therapeutin oder Therapeut. Psychotherapeutinnen und -therapeuten haben eine lange und gründliche Zusatzausbildung und sind meist gleichzeitig Ärzte oder Psychologen. Die unterschiedlichen psychotherapeutischen Methoden unterscheiden sich hauptsächlich darin, wie der Austausch gestaltet wird. Verschiedene Aspekte des zwischenmenschlichen Ausdrucks wie auch die Themen im Gespräch können unterschiedlich gewichtet werden, mögliche Zugänge erfolgen über Probleme im Hier und Jetzt, die Lebensgeschichte, das Verhalten, das Umfeld der Patientin oder des Patienten betreffend. In der Regel finden psychotherapeutische Gespräche nicht häufiger als einmal pro Woche statt, da die Verarbeitung des Besprochenen und das Umsetzen der notwendigen Veränderungen in den Alltag Zeit braucht. Ein Überblick über die verschiedenen psychotherapeutischen Methoden zu erhalten ist nicht einfach. Einzelne Therapierichtungen sind aus bereits bestehenden Psychotherapieschulen hervorgegangen, haben einzelne Teilaspekte hervorgehoben und diese weiter entwickelt: 

  • Verhaltenstherapie
    Die moderne Verhaltenstherapie vereinigt eine grosse Anzahl unterschiedlicher Techniken und Behandlungsmassnahmen. Sie alle gehen davon aus, dass menschliches Verhalten, Denken, Fühlen und teilweise sogar körperliche Reaktionen erworben, also erlernt werden und verändert werden können. Die Behandlung setzt in der Regel an der gegenwärtig bestehenden Problematik an: Bei der Untersuchung von auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen, deren Änderung für eine dauerhafte Lösung als notwendig erachtet wird. Ziel der Verhaltenstherapie ist, neue Verhaltens- und Erlebensweisen sowie Problemlösungsstrategien aktiv in den therapeutischen Sitzungen und im Alltag zu erproben.
     
  • Tiefenpsychologische Ansätze
    Psychoanalyse und die tiefenpsychologische Psychotherapie beziehen sich auf einen gemeinsamen theoretischen Hintergrund, nämlich der von Sigmund Freud entwickelten Psychoanalyse (-theorie), wobei der zentrale Aspekt der Beziehung zwischen Patientin bzw. Patient und Therapeutin oder Therapeut hervorgehoben wird. Sie unterscheiden sich jedoch in Form, Dauer und Ziel der Behandlung. In der Psychoanalyse werden unbewusste Aspekte der Beziehung aufgedeckt. Die Gefühle aus früheren Beziehungen, die bei der Patientin, beim Patienten die aktuelle Beziehung zum Therapeuten beeinflussen, nennt man «Übertragung». Die Gefühle des Therapeuten, die in der Beziehung zur Patientin, zum Patienten auftreten, nennt man «Gegenübertragung». Die klassische Psychoanalyse zielt durch eine Veränderung der Beziehungsgestaltung auf eine Veränderung der gesamten Persönlichkeit. Sie dauert mehrere Jahre bei mehreren Behandlungsterminen pro Woche. Das Ziel tiefenpsychologischer Psychotherapie, welche wesentlich kürzer dauert, ist die Bearbeitung umschriebener Konflikte. Bei einer Depression kann dies beispielsweise die Thematik der Abgrenzung und Durchsetzung eigener Bedürfnisse sein, unter Umständen auch im Kontext von Problemen in der Lebensgeschichte.
     
  • Systemische Therapie, Familientherapie
    Die systemische Therapie sieht die Gründe psychischer Erkrankungen in den Wechselwirkungen zwischen dem Menschen und seinem sozialen Umfeld. Sie versteht psychische Symptome als Ausdruck von Anpassungsleistungen des Einzelnen an seine Umwelt. Symptome sind somit Ausdruck von zwischenmenschlichen und anderen psychosozialen Konflikten. Ziel systemtherapeutischer Arbeit ist es, blockierte Entwicklungsprozesse in Gang zu bringen, indem systemeigene Kräfte und Möglichkeiten aktiviert und unterstützt werden. Systemtherapeutische Praxis kann auf jegliche psychiatrische und psychotherapeutische Methode zurückgreifen. Therapiesitzungen können als systemische Einzeltherapien und/oder Mehrpersonengespräche stattfinden, in welchen vor allem die Fragetechniken des Therapeuten oder der Therapeutin ein wichtiges Handwerkszeug darstellen. Systemtherapie ist nicht identisch mit Familientherapie.

Das Einzelgespräch zwischen Patientin, Patient und dem Arzt oder der Ärztin
Das Gespräch zwischen Ärztin bzw. Arzt und Patientin bzw. Patient bietet bei psychischen Problemen oder Erkrankungen Raum für Vertrauen und ermöglicht das Gefühl des Angenommen- und Verstandenwerdens. Die vertrauensvolle Begegnung zweier Menschen im Gespräch kann den Beginn eines Heilungsprozesses darstellen. Ob es sich um ein Gespräch oder um Psychotherapie handelt, ist im Einzelfall oft nicht unterscheidbar; wichtig ist die empathische Haltung des Therapeuten. Darunter versteht sich ein grundlegendes Interesse am Gegenüber, das Vermitteln von Hoffnung, ein klares und transparentes Vorgehen, Erfahrung im Umgang mit schwierigen Situationen sowie das Einhalten einer therapeutischen Distanz, welche Rückmeldungen und konstruktive Kritik erlaubt.

Behandlung und Begleitung zuhause
Die Grundsätze der Sozio- und Milieutherapie kommen im häuslichen Umfeld der Patientin, des Patienten zur Anwendung. Pflegefachpersonen, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter gewährleisten eine kontinuierliche Begleitung zu Hause. Bei den regelmässigen Besuchen über einen festgelegten Zeitraum steht die individuelle Begleitung und gezielte Förderung der Selbständigkeit der Patientin, des Patienten im Vordergrund. Gemeinsam mit ihm wird eine passende Tagesstruktur erarbeitet und er oder sie erhält Unterstützung bei der Alltagsbewältigung und bei der Planung und Umsetzung von Lebensaktivitäten. Auch im Umgang mit Stress und Gefühlen, deren Wahrnehmung und einem förderlichen Verhalten, wird Hilfestellung geboten.

Vorhandene Kompetenzen werden gefördert und erweitert, etwa bei Behördengängen oder beim Aufbau von Sozialkontakten. Mit der professionellen Begleitung zu Hause werden angestrebt:

  • Stabilisierung der Situation
  • Verbesserung der Copingstrategien (Bewältigungsstrategien)
  • Höhere Selbstverantwortung der Patientin, des Patienten
  • Gewinn an Lebensqualität
  • Erhaltung des selbständigen Wohnens
  • Verringern oder vermeiden von Klinikaufenthalten oder intensiveren therapeutischen Betreuungsformen in einer kollektiven Wohnform

Zudem kann die medikamentöse Behandlung überwacht und der Krankheitsverlauf beobachtet werden. Dies lässt eine frühzeitige Erkennung von Krisen und eine rasche adäquate Akutbehandlung zu. Ein besonderes Anliegen ist die Vernetzung aller beteiligten Personen und Angehörigen im Umfeld der Patientin, des Patienten und der fachlichen Institutionen oder Dienste und die Koordination der Zusammenarbeit zwischen den Hauptbehandlerinnen und Hauptbehandlern.