Handlungsorientierte Therapien

Beim aktiven Gestalten Selbstwirksamkeit verbessern!

Mit Handeln ist geplantes, gezieltes Vorgehen, also ein aktives Gestalten der eigenen Umwelt gemeint. Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen können die Wirksamkeit der eigenen Handlungen in Umwelt und Beziehungen nicht mehr erfahren und erleben sich verstärkt ohnmächtig. Handlungsorientierte Therapien ermöglichen, die erlebte Selbstwirksamkeit wieder zu verbessern.

Ergotherapie
Sie ist ein Therapieverfahren, welches Aktivität, die Gestaltung der eigenen Umwelt und die Anerkennung der eigenen inneren und äusseren Grenzen verbindet. Ergotherapie unterstützt Menschen beispielsweise in der Förderung ihrer Handlungsfähigkeit, des eigenen Antriebes und des Gedächtnisses, welche durch die Auswirkungen einer Krankheit beeinträchtigt sein können. Weiter werden durch die gezielte Therapieanwendung auch Einschränkungen der Beweglichkeit wie Lähmungserscheinungen oder Schmerzen behandelt. In der Ergotherapie wird gehandelt, etwas gemacht, was oft auch mit Spass und Freude verbunden ist und es wird über das Handeln geredet. Oft werden Aktivitäten mit verschiedenen Materialien wie Holz, Stein, Ton, Textilien, Farben, Papier oder Glas gewählt. Der therapeutische Fokus zielt auf die Planung, Durchführung und Erfolgskontrolle einer Tätigkeit. Auch wenn die Therapie im Gruppensetting stattfindet, kann bezogen auf Fähigkeiten, Vorlieben und Wünsche individuell auf den einzelnen Patienten, auf die einzelne Patientin eingegangen werden. Ergotherapie fördert die Belastungs- und Ausdauerfähigkeit wie auch die Konzentrations- und Merkfähigkeit. Das Lernen aus Fehlern und Hindernissen verbessert die Selbstwahrnehmung und wirkt sich positiv auf das Selbstwertgefühl aus. Auf diese Weise können neue kreative Ausdrucksmöglichkeiten erlernt  werden und das Miteinander-Sein mit anderen Menschen wird erleichtert.

Aktivierungstherapie
In der Aktivierungstherapie finden ältere und in ihrer Aktivität eingeschränkte Menschen die Gelegenheit, sich mit unterschiedlichen Materialien und Elementen zu beschäftigen und vertraut zu machen. Über die Auseinandersetzung mit Material, Form, Farbe, Musik und Bewegung, aber auch durch den zwischenmenschlichen Kontakt können geistige und körperliche Fähigkeiten positiv beeinflusst und das persönliche Wohlbefinden gesteigert werden. Damit trägt sie auch zu Freude und Abwechslung bei. Die Aktivierungstherapie fördert geistige Wachheit und Kreativität. Sie regt zu körperlicher Aktivität an und stimuliert Sinneswahrnehmungen. Einen weiteren Akzent setzt diese Therapie in der Auseinandersetzung mit eigenen Grenzen, mit dem Ziel die grösstmögliche Selbstständigkeit zu erhalten, auch wenn es darum geht, Rückschritte zu akzeptieren. Dabei ist die Orientierung an den vorhandenen Fähigkeiten eines Menschen und seiner persönlichen Lebensgeschichte zentral.

Arbeitstherapie
Als sinnstiftende, ergebnisorientierte Beschäftigung setzt sich aus den verschiedenen Betätigungsfeldern: Industriewerkstatt, Holzwerkstatt, Flechterei, Weberei sowie landwirtschaftliche Arbeitsbereiche zusammen. Das Angebot reicht von einfachen bis zu anspruchsvollen Arbeiten, welche der Patientin, dem Patienten als Erfahrung seiner Belastungsgrenzen dienen können. Die Erprobung von Kräften und Fertigkeiten dient der Integration in die Arbeitswelt und soll die Patientin, den Patienten unterstützen, sich auf die Arbeitsanforderungen im Anschluss an eine Behandlung vorzubereiten. Die Arbeitstherapie wird individuell auf die Situation der Patientin, des Patienten abgestimmt. Berufliche Fähigkeiten, Interessen wie auch der Gesundheitszustand sind wesentliche Faktoren, welche mitentscheiden, ob ein Patient, eine Patientin abgegrenzte Teilschritte eines Arbeitsprozesses ausführt oder sich einem gesamten Projekt widmen kann. Die Auseinandersetzung mit Themen wie Verantwortung, Ausdauer, Konzentration und Sorgfalt sind Konfrontationspunkte, welche Rückschlüsse und Erkenntnisse auf die eigene Leistungsfähigkeit ermöglichen. Das Ausführen von Arbeiten externer Arbeitgeber schafft einen Realitätsbezug durch die Vorgabe des Endprodukts betreffend Exaktheit und Arbeitsqualität. Dies ermöglicht es der Patientin, dem Patienten in besonderem Masse, sich neu zu orientieren, berufliche Anforderungen zu trainieren und sich in einen Arbeitsprozess zu integrieren.

Sozio- / Milieutherapie
Soziotherapie ist die gezielte, ressourcenorientierte Auseinandersetzung mit dem «Normalen» im Hier und Jetzt, die Beschäftigung mit alltäglichen Bedürfnissen, Regeln und Notwendigkeiten, Möglichkeiten und Einschränkungen in Bereichen wie Arbeit und Freizeit, Wohnen, Ernährung, im Wahrnehmen von Rechten und Erfüllen von Pflichten, im Aufnehmen von Beziehungen etc. Patientinnen und Patienten sollen Gelegenheit erhalten, ihren Umgang mit den Anforderungen des Alltags in verschiedenartigen Situationen genauer kennenzulernen, zu überprüfen und zu verändern. Das aus den Fugen geratene psychische und soziale Gleichgewicht des Patienten, der Patientin vermag ein stabilisierendes Milieu positiv zu beeinflussen. Dies geschieht durch die Ermöglichung korrigierender Erfahrungen durch die Mobilisierung der gesunden Kräfte der Patientin, des Patienten und seiner Umgebung, wie auch durch die gezielte Förderung von gesundem Handeln. Praktisch setzen sich Sozio- und Milieutherapie mit der Umsetzung von Aktivitäten des täglichen Lebens auseinander. So können beispielsweise die Zubereitung des Abendessens, ein Ausflug, das Einkaufen, Putzen im Haushalt, die Planung einer Tagesstruktur oder Kaffee trinken zentrale therapeutische Wirkungsfelder darstellen, in welchen die Patientin, der Patient optimale individuelle Unterstützung, Strukturierung und Stabilisierung erfährt.