Körperorientierte Therapien

Sich über den Körper erfahren und stärken!

Ein ganzheitliches Verständnis des Menschen beinhaltet eine gemeinsame Sichtweise von Körper und Geist. Jede körperliche Störung betrifft auch die Seele - genau so, wie psychisches Leiden sich auch auf den Körper auswirkt. Körperorientierte Therapien betonen die Erfahrbarkeit des Körpers, beeinflussen und stärken ihn. Die einzelnen Therapieformen unterscheiden sich in der Eignung für einzelne Krankheitsbilder, im Verhältnis von aktiver und eher passiver Teilnahme und auch in der Nähe der therapeutischen Beziehung.

Körpertherapie
Der Körper-, Bewegungs- und Tanztherapie liegt ein ganzheitliches Menschenbild zu Grunde. Über die eigene Erfahrung in der Bewegung wird der Mensch sowohl auf seiner körperlichen Ebene, wie auch in seinem emotionalen und geistigen Erleben angesprochen. Der Körpertherapeut zeigt neue Wege auf zur Verbesserung der leiblichen Wahrnehmung, zum kreativen Selbstausdruck, stösst Impulse zur Selbstakzeptanz an und begleitet die körperliche Identitätsbildung. Ressourcen werden gestärkt, Wachstumsprozesse unterstützt, indem situationsbezogen die Balance zwischen therapeutischem Tiefgang und spielerischer Leichtigkeit geübt wird. Unterschiedliche Krankheitsbilder der Patientinnen und Patienten erfordern verschiedene Behandlungsansätze, welche beispielsweise in Einzel- oder Gruppentherapien Ausdruck finden. Inhaltlich bedient sich die Körpertherapie der Körperwahrnehmung, Entspannungsübungen, Atemtherapie, Rhythmus und Tanz, Qi Gong, Yoga, Shiatsu, Rückenschule und Gymnastik. In der Einzeltherapie können zusätzlich Körperarbeit (Biosynthese), Tanztherapie und Massagen das Angebot ergänzen. Ziele der Körpertherapie sind unter anderen ein verbessertes Körper- und Bewegungsgefühl, das Erkennen der Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele, der Ausgleich von psychophysischen Spannungen sowie die Regulierung von Nähe und Distanz.

Aromatherapie
Die Aromatherapie als Teilgebiet der Pflanzenheilkunde sowie als eigenständige Methode soll durch kontrollierte Anwendung von ätherischen Ölen helfen, die Gesundheit zu erhalten, Selbstheilungskräfte zu unterstützen und Harmonie und Gleichgewicht zu fördern. Ätherische Öle werden aus Blüten, Wurzeln, Harzen, Früchten und Samen gewonnen. Die Vielzahl dieser Pflanzenessenzen erlaubt, auf unterschiedliche Bedürfnisse und Beschwerden der Patientin, des Patienten individuell einzugehen. Als Düfte nehmen sie Einfluss auf den ganzen Menschen und wirken auf Körper, Geist und Seele. Im Zentrum der Anwendung stehen die Aromamassagen, sanfte Behandlungsmethoden, welche als Teilkörpermassagen in Kombination mit Wasser- und Wärmeanwendungen verabreicht werden können. Die ätherischen Öle werden gemeinsam mit der Patientin, dem Patienten nach den persönlichen Duftvorlieben oder Themen, ausgewählt und mit einem passenden Trägeröl als Massageöl gemischt. Auf körperlicher Ebene können durch die Aromatherapie Verspannungen und Verhärtungen gelöst und so Schmerzen gelindert werden. Auf psychischer Ebene können innere Unruhe, Nervosität, Ängste, Blockaden, Unsicherheiten und Spannungen positiv beeinflusst werden. Das harmonisierende, ausgleichende und beruhigende Erleben in der Aromatherapie beeinflusst das Wohlbefinden positiv und bewirkt so eine Verbesserung der Lebensqualität.

Entspannungsverfahren
Durch das übende Erlernen von Entspannungstechniken ist es möglich, seine Gedanken und seinen Körper bewusst zu beeinflussen und körperliche wie geistige Anspannung zu verringern. Durch die Anwendung werden körperliche Reaktionen ausgelöst wie eine verringerte Muskelanspannung, eine Verlangsamung der Herzfrequenz, eine Senkung des Blutdrucks und eine Beruhigung des sympathischen Nervensystems, so dass Stressreaktionen, Ängste oder Nervosität zurückgehen. Die wichtigsten Entspannungsverfahren sind autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Neurofeedback und meditative Verfahren wie Yoga oder Fantasiereisen. Entspannungsverfahren sind bei einer Vielzahl von psychischen Erkrankungen, aber auch bei körperlichen Erkrankungen wie Bluthochdruck und Asthma hilfreich. Die Wirkungen, die sich auch in grösserer Gelassenheit, Zufriedenheit und Wohlbefinden äussern, sind stark von der aktiven Anwendung und Mitarbeit der Patientinnen und Patienten abhängig.

Fitness-, Sporttherapie
Sport unterstützt einerseits die Fitness des Körpers, ebenso wurde ein positiver Einfluss auf die Psyche von depressiven Patientinnen und Patienten beobachtet. Bereits ein leichtes Ausdauertraining von einer halben Stunde pro Tag zeigt positive Effekte auf das Befinden, welche mit der Wirkung von Antidepressiva vergleichbar sind. Fitnesstraining fördert nicht nur die Beweglichkeit, Koordination und Körperwahrnehmung, sondern lenkt ab von negativen Empfindungen, baut Aggressionen ab und kann den Patientinnen und Patienten unmittelbare Erfolgserlebnisse vermitteln. Bei Gruppenangeboten werden darüber hinaus auch soziale Kompetenzen geschult. Wichtig für den Erfolg der Fitnesstherapie ist eine qualifizierte Anleitung der Übungen. Sei es Joggen, Yoga oder ein leichtes Krafttraining - eine Fitnesstherapie kann helfen, die physisch-psychische Balance der Patientinnen und Patienten wiederherzustellen um Antriebskraft und Lebensfreude zu erhalten. Fitnesstherapie ist kein Ersatz für eine Psychotherapie oder für die medikamentöse Behandlung, jedoch eine wertvolle Ergänzung, die helfen kann, selbstverantwortlich und aktiv mit der eigenen Erkrankung umzugehen.

Physiotherapie
Die Wiederherstellung und Erhaltung, beziehungsweise die Förderung der Gesundheit sind die primären Behandlungsziele in der Physiotherapie. Dabei soll in die natürlichen physiologischen Vorgänge (z. B. Stoffwechselanregung) des Organismus eingegriffen werden, um diese positiv zu beeinflussen. Wenn körperliche Einschränkungen in Folge von Krankheit, Altersbeschwerden oder bei psychischer Überlastung auftreten, ist es für den Heilungserfolg von grosser Wichtigkeit, die richtigen Therapie-Anwendungen rechtzeitig einzuleiten. Dabei wird in jeder physikalischen Behandlung primär die Eigenständigkeit der Patientin, des Patienten gefördert, so dass er möglichst schnell aus seiner ungewollten Einschränkung selbstständig herausfinden kann. Der Zusammenhang zwischen einem psychischen Konflikt und dem damit verbundenen körperlichen Ausdruck der Patientin,  des Patienten begründet den Einsatz von Physiotherapeuten in der Psychiatrie. Dabei ist auch die Verbesserung der mentalen und psychischen Situation der Patientin, des Patienten von Bedeutung.