Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Behandlung

Ist die Behandlung umso erfolgreicher, je mehr Therapien ich besuche?
Die Therapieplanung ist eine komplexe Aufgabe mit dem Ziel, eine Über- wie auch Unterforderung einer Patientin, eines Patienten zu vermeiden. Therapieangebote können die individuelle Entwicklung nicht beschleunigen, sondern nur anstossen. Darum ist ein möglichst den persönlichen Zielen und Bedürfnissen entsprechendes Therapieangebot entscheidend, welches der eigenen Entwicklung genügend Freiräume lässt. Unstrukturierte Zeiten, welche die Reflexion von Erlebnissen und Erkenntnissen in den Therapien wie auch die Umsetzung einzelner Schritte in den Alltag möglich machen, sind naturgemäss wichtig.

Kann ich mir mein Therapieprogramm selbst aussuchen?
Grundsätzlich sind unsere Mitarbeitenden bemüht, die persönlichen Anliegen und Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten in die Therapieplanung mit einzubeziehen. Teilweise ist durch die Struktur des Betriebs oder die begrenzte Anzahl von Therapieplätzen nur bedingt eine Berücksichtigung von Wünschen möglich. Diese Umstände sollen Sie jedoch nicht daran hindern, Ihre Wünsche anzubringen. Weiter können durch Pflegefachpersonen oder Einzeltherapeuten gewonnene Beobachtungen auf die Anwendung einer bestimmten Therapie hinweisen, welche Sie für sich selbst momentan nicht sehen. Lassen Sie sich auf neue Erfahrungen ein!

Kann ich zu einer Therapie gezwungen werden?
Die Teilnahme an den Therapien beruht auf dem Einverständnis der Patientin, des Patienten. Entsprechend kann niemand zu einer Therapie gezwungen werden, was aus therapeutischer Sicht auch nicht sinnvoll wäre. Manchmal ist allerdings ein gewisser Druck von aussen hilfreich, um Antriebshemmung oder Hoffnungslosigkeit zu überwinden, ganz nach dem Motto: «Probieren geht über Studieren». Die Gestaltung des Therapieplans beruht auf dem Prinzip der Zusammenarbeit. Wir stellen ein definiertes Therapieangebot zur Verfügung, das sich je nach Standort, Bereich oder Station unterscheidet. Kann jemand von diesem Therapieangebot nicht profitieren und nicht daran teilnehmen, muss der Auftrag für eine Zusammenarbeit neu geklärt werden.

Wenn ich den Therapieplan sehe, habe ich das Gefühl, dass viel zu wenig läuft?
Psychische Erkrankungen können langwierige, komplexe und wechselnde Verläufe nach sich ziehen. Ein Grossteil der Belastungen, unter welchen eine Patientin, ein Patient leidet, ist von aussen nur bedingt sichtbar. So können Ängste, Antriebsarmut oder Entscheidungsschwierigkeiten Hemmnisse sein, welche die Fähigkeiten einer Patientin, eines Patienten, an den Therapien teilzunehmen, stark beeinträchtigen. Das Anforderungsniveau der therapeutischen Angebote dem Gesundheitszustand anzupassen, ist herausfordernd und bedarf einer steten Überprüfung. Sollten Sie den Eindruck haben, dass die Therapie nicht optimal geplant ist oder nicht genügend Wirkung zeigt, sprechen Sie die für Sie zuständigen Fachpersonen darauf an.

Was darf in einer Therapie nicht passieren?
Dadurch, dass eine Patientin, ein Patient sich vertrauensvoll an den Therapeuten bzw. an die Therapeutin wendet und persönliche Einsichten zulässt, entsteht ein Ungleichgewicht im Sinne einer teilweisen Abhängigkeit. Dieses Ungleichgewicht darf von der Therapeutin, dem Therapeuten nicht missbraucht werden. Als Missbrauch einer therapeutischen Beziehung sind Nötigung, politische Beeinflussung, religiöse Missionierung sowie sexuelle Angebote aufzuführen. Patientinnen und Patienten haben jederzeit das Recht, eine Therapie zu beenden und einen anderen Therapeuten oder Therapeutin aufzusuchen. Eine wichtige Aufgabe der Fachpersonen ist die Aufklärung der Patientin, des Patienten über die angewendete Methode und deren Grenzen.

Was bedeutet Adherence und Empowerment?
«Adherence» bezeichnet das Ausmass der aktiven Zusammenarbeit von Ärztin oder Arzt und Patientin bzw. Patient im Sinne einer gemeinsamen Entscheidungsfindung und Therapiezielvereinbarung. Als «Empowerment» bezeichnet man autonomiefördernde Massnahmen und Strategien, die im Sinne von Recovery eine selbstbestimmte Sorge um das eigene Wohlergehen ermöglichen. Der Begriff «Compliance» dagegen meint eher das (einseitige) Befolgen der ärztlichen Anordnungen.