Vertrauen

Als Vertrauen kann die persönliche Überzeugung, das Gefühl für oder der Glaube an etwas bezeichnet werden. Vertrauen kann sich dabei auf einen anderen oder sich selber beziehen (Selbstvertrauen). Das Gegenteil von Vertrauen ist das Misstrauen.

Vertrauen wird in unsicheren Situationen entscheidend. Wer sich einer Sache sicher ist, muss nicht vertrauen. Vertrauen ist aber auch mehr als nur Glaube oder Hoffnung, es setzt eine Vertrauensgrundlage voraus. Dies können gemachte Erfahrungen sein, aber auch das Vertrauen einer Person, der man selbst vertraut, wie auch gesellschaftliche oder institutionelle Mechanismen.

Vertrauen betont die Dimension der eigenen Verletzlichkeit und entsteht in Situationen einer positiven Erwartung. Jemandem zu vertrauen bedeutet, einen Schaden oder eine Verletzung zu riskieren in der Erwartung, dass dies nicht geschieht. Vertrauen ist ein wechselseitiges Geschenk in Beziehungen, denn «wir vertrauen denen, die uns vertrauen, und wir vertrauen ihnen, indem wir auf Vertrauen, das in uns gesetzt wird, mit Vertrauen antworten» (Dalferth 2013). Vertrauen ist kein festes Gebilde. Vertrauen kann entstehen, es ist jedoch auch vergänglich. Es wird immer wieder auf die Probe gestellt und dadurch bestätigt, wenn es herausgefordert und riskiert wird. Wenn die Zeit stillsteht, braucht es kein Vertrauen, weil Vertrauen immer eine Investition in die Zukunft ist. Vertrauen entwickelt sich nicht durch Beharrlichkeit und Unbeweglichkeit, sondern durch offenen Austausch. Die gemeinsame Selbstreflexion über die Beziehung durch die Beziehungspartner ist die Grundlage des Vertrauens, nicht das Festhalten an eingespielten Mustern. Dem anderen erklären können, wo man steht, warum man da steht und wo man steht und nicht woanders, ist entscheidend.

«Wer Vertrauen erweist, nimmt Zukunft vorweg. Er handelt so, als ob er der Zukunft sicher wäre» (Luhmann 1989). So gesehen ist das Phänomen des Vertrauens an die Möglichkeit vorauszuschauen geknüpft: «Ich gehe davon aus, dass der Mensch, welchem ich vertraue, dieses Vertrauen auch weiter verdienen wird, und ich ihm weiterhin vertrauen kann» (Küchenhoff 2017). Luhmann (1989) betont, dass die «Grundlage allen Vertrauens die Darstellung des eigenen Selbst als einer sozialen, sich in Interaktionen aufbauenden, mit der Umwelt korrespondierenden Identität ist.» Entsprechend kann ich demjenigen vertrauen, der sich selbst verstehen kann und dieses Selbstverständnis in die Beziehung einbringt. Die Grundlage des Vertrauens ist demnach die Darstellung des eigenen Selbst. Nur wenn ich mich selbstoffen zeige, ist Vertrauen möglich.

Vertrauen und Misstrauen sind einander entgegengesetzt. Sie haben gleichwohl viel gemeinsam: Beide strukturieren die Sicht auf die Welt, wenn auch mit entgegengesetzten Vorzeichen; beide reduzieren die Komplexität der sozialen Kommunikation (Küchenhoff in Anlehnung an Luhmann). Wenn die Dimension des Vertrauens keine Rolle spielt im zwischenmenschlichen Austausch, ist fehlendes Vertrauen nicht gleich Misstrauen.
Die Gefühlsqualität des Vertrauens betont, dass wer Vertrauen hat, sich nicht fürchten muss: «Der wahre Gegenspieler der Angst ist nicht der Mut, sondern das Vertrauen. Vertrauen zu sich selbst, zu den Mitmenschen und in die eigentlich tragenden Kräfte des Lebens» (Ursula Seemann-de Boor 1950). Wenn dieses Vertrauen verloren geht und dieser Verlust das Verhältnis zur Welt erschüttert, kann dies grundlegend werden, so, dass den eigenen Wahrnehmungen und Gedanken nicht mehr getraut werden kann. So greift ein fehlendes Urvertrauen sogar die psychische Struktur an (Küchenhoff 2017). Entsprechend wichtig ist Vertrauen und Selbstvertrauen für die psychische Gesundheit.