Selbstfürsorge

Selbstfürsorge meint Aktivitäten, die dem psychischen und physischen Wohlbefinden dienen und uns helfen, Belastungen und Stress auszugleichen. Selbstfürsorge zielt in zwei Richtungen: einerseits sich etwas zu gönnen, sich zu verwöhnen, andererseits die Beschränkung oder der Verzicht von etwas, das uns schadet, etwa zu lange Arbeitszeit, bestimmte Nahrungs- und Genussmittel oder ausufernder Konsum sozialer Medien.

Der Glaube daran, dass gut für sich zu sorgen positive Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden haben wird, ist zentral. Wenn gegenläufige Vorstellungen oder Glaubenssätze der Bedeutung des eigenen Wohlergehens im Weg stehen, ist es schwierig, selbstfürsorglich zu handeln. Etwa beim simplen Sprichwort «erst die Arbeit, dann das Vergnügen». Zudem spielt der Selbstwert eine wichtige Rolle bei der Förderung von Selbstfürsorge. Wenn ich mir selbst nicht viel wert bin, warum sollte ich dann gut für mich zu sorgen? Überzeugungen wie «ich verdiene es nicht», «ich bin nicht so gut wie die Anderen» oder «ich muss mich anpassen und meine Bedürfnisse unterordnen» mindern eine gesunde Selbstfürsorge.

Oft haben wir sogenannte blinde Flecken, wenn es darum geht, selbstfürsorglich zu handeln. Etwa indem wir Defizite wie unzureichenden Schlaf oder körperliche Beschwerden herunterspielen. Unterbewertungen wie «so schlimm ist das ja gar nicht», «ich halte das schon aus» oder «das wird schon wieder besser werden» führen dazu, dass wir Bedürfnisse und Grenzen als unwichtig bewerten und nichts verändern.

Nebst der Erkenntnis, dass die eigene Selbstfürsorge verbesserungswürdig ist und ich selbst für einen Veränderungsschritt verantwortlich bin, ist eine konkrete Planung wichtig. Wie gelingt es mir, besser für mich zu sorgen? Wie lässt sich Selbstfürsorge in meinen Alltag einbauen? Welche Hindernisse können mir dabei im Weg stehen? Selbstfürsorge kann Zeit und Geld kosten. Selbstfürsorge erfordert zudem oft, dass wir für uns einstehen, Bedürfnisse mitteilen, Grenzen einfordern, Bitten ausschlagen oder uns für unsere Rechte einsetzen.

Eine verbesserte Selbstfürsorge geschieht meist nicht von heute auf morgen. Wie alle Verhaltensänderungen braucht es Achtsamkeit und Übung. Vielleicht erkenne ich erst, wie wichtig Selbstfürsorge ist, wenn sie nicht mehr gelingt. Ein langer Atem, die Ermutigung vertrauter Personen, die Umsetzung in der Gruppe, die konkrete Planung einzelner Schritte und grosszügig gegenüber sich selbst zu sein, auch wenn es mal nicht gelingt, können wichtige Hilfen sein, selbstfürsorglich zu denken und zu handeln.