Selbstbestimmung

Autonomie, Selbstbestimmung also, ist ein wertvolles Gut. In einer demokratischen Gesellschaft bedeutet die Selbstbestimmung jedes Einzelnen das Fundament des Zusammenlebens. Autonomie ermöglicht unterschiedliche Lebensformen, was letztlich die Vielfältigkeit einer Gesellschaft bestimmt. 

Die Autonomie des Patienten wird in der psychiatrischen Versorgung als wichtiges Prinzip geachtet. Eine psychische Erkrankung bedeutet keine allgemeine Inkompetenz und auch das Ablehnen sinnvoller medizinischer Interventionen kann nicht automatisch mit Irrationalität oder Urteilsunfähigkeit gleichgesetzt werden. Das individuelle Wohl besteht somit nicht aus medizinischer Normalität, sondern hat für jeden Einzelnen eine unterschiedliche Bedeutung (Schramme 2009). Eine Behandlung gegen den Willen von Betroffenen ist für diese meist traumatisierend. Eine rechtliche Grundlage hilft jedoch auch, Betroffene vor Willkür zu schützen. In diesem Spannungsfeld zwischen Autonomie und Fürsorge sind psychiatrisch Tätige bei einer Urteilsunfähigkeit von Betroffenen verpflichtet, einerseits den gesellschaftlichen Auftrag zu wahren, andererseits die Selbstbestimmung von Betroffenen gerade bei Urteilsunfähigkeit möglichst zu berücksichtigen.

Ein selbstbestimmtes Leben zu führen ist für viele Menschen wichtig. Persönliche Freiheiten stehen jedoch stets in einem Spannungsfeld mit gesellschaftlichen Normen, Werten und Verbindlichkeiten. Es braucht eine Anpassung jedes Einzelnen, damit diese Werte und Normen Bestand haben, dass die Gesellschaft „funktioniert“.

Selbstbestimmung ist nicht nur in der Psychiatrie ein wichtiges Thema. Selbstbestimmt im Alltag unterwegs zu sein hilft uns, das Leben zufrieden in Angriff zu nehmen. Selbstbestimmung in einer Gesellschaft ist auch relativ. Regeln und Normen erleichtern das Miteinander, schränken den Einzelnen jedoch auch ein.