Behandlungsgrundsätze

Ursachen von Erkrankungen
Bei psychischen Erkrankungen geht die Kraft zur Selbstregulation von Körper und Geist verloren. Es gibt in der Regel keine einzelne Ursache. Unsere Individualität ist von ganz unterschiedlichen Faktoren beeinflusst: Veranlagungen, Begabungen oder Charaktereigenschaften, angeborene Erkrankungsbereitschaften oder auch die soziale und kulturelle Umgebung, in die wir hineingeboren werden. Wir wachsen unter verschiedenen Bedingungen und Einflüssen auf, die sich auf die Reifung unserer Persönlichkeit und der Entwicklung unseres Gehirns auswirken. Nicht zuletzt beeinflussen uns auch die jeweiligen Lebensumstände, wie zum Beispiel Stress, Verlusterlebnisse, körperliche Krankheiten oder Unfälle. Aus diesen Gründen gehen wir bei psychischen Störungen von einem Ursachen-Bündel aus. Dieses Krankheits-Erklärungs-Modell wird «Vulnerabilitäts-Stress-Kompetenz-Modell» genannt. Vulnerabilität bedeutet Verletzlichkeit und meint hier, dass manche Menschen anfälliger sind als andere, eine Krankheit zu entwickeln. Stress nimmt Bezug auf die verschiedenen beeinflussenden Stressoren, wie zum Beispiel konflikthafte, überfordernde Lebensumstände im Zusammenspiel mit Mitmenschen und Umgebung. Kompetenz meint die Fähigkeit, Probleme (Lebenssituationen) bewältigen zu können. Abgeleitet aus diesem Erklärungsmodell ergeben sich verschiedene therapeutische Ansätze.

Kombination von verschiedenen Methoden
Die Behandlung von psychischen Erkrankungen setzt sich aus verschiedenen Teilen (beispielsweise: Psychotherapie, Pharmakotherapie, ergänzenden Therapien, Psychoedukation, Therapiegruppe, Soziales Training, Re-Integration in den Arbeitsmarkt) zusammen. Der beste Behandlungserfolg ergibt sich meist dann, wenn verschiedene Behandlungsmethoden kombiniert werden. Welche therapeutischen Massnahmen für welche Patientin, Patienten geeignet ist, muss stets individuell geklärt werden, denn oft stehen einem Menschen während einer psychischen Krise nicht mehr die gleichen Kräfte zur Verfügung, die ihn sonst durchs Leben begleiten. Zur Verbesserung der Lebensqualität ist es entscheidend, die eigenen Fähigkeiten wieder zu entdecken und zu fördern.

Umfassender Einbezug von Patientin und Patient
Um eine psychiatrische Behandlung so hilfreich wie möglich zu gestalten, ist es uns wichtig, Sie umfassend zu informieren und einzubeziehen. Patientinnen und Patienten werden als Expertinnen, Experten im Erleben ihres Krankheitszustandes ernst genommen und zum Einbringen ihrer Erfahrungen und ihrer Vorstellungen in die Behandlung motiviert. 

Orientierung an den Bedürfnissen der Betroffenen
Die diagnostischen und therapeutischen Massnahmen orientieren sich in erster Linie an den Bedürfnissen der von Krankheit betroffenen Menschen und ihrem Umfeld. Wir arbeiten beziehungs-, auftrags- und zielorientiert und jede Behandlung wird in partnerschaftlicher Zusammenarbeit geplant und durchgeführt.

Schweigepflicht 
Sämtliche Mitarbeitende der Psychiatrie-Dienste Süd sind an die Schweigepflicht gebunden.