Stationäre Psychotherapie – Persönlichkeits- und Traumafolgeerkrankungen

Informationen

Wir nehmen uns genügend Zeit und helfen Ihnen, Veränderung in Angriff zu nehmen und eine Verbesserung Ihrer Lebensqualität zu erreichen. Wir unterstützen und befähigen Sie in der erfolgreichen Lebensbewältigung.

Persönlichkeitserkrankungen wie Borderline, aber auch Essstörung, ADHS, somatoforme Störung oder sogenannte komplexe Traumafolgestörungen können belastende Auswirkungen auf die Beziehungsgestaltung und das soziale Zusammenleben haben. Oft gelangen Betroffene wegen Verzweiflung oder Schmerzen in eine medizinische Behandlung. Eine verdeckte Persönlichkeitsstörung oder eine komplexe Traumafolgeerkrankung können erst in einer erweiterten, sorgfältigen Analyse erkannt, diagnostiziert und danach die passende Therapiemethode festgelegt werden.

Die individuelle Behandlung wird gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten geplant, Therapieziele gemeinsam formuliert und priorisiert und danach ein Gesamtbehandlungsplan erstellt. Die Behandlung dauert in der Regel zwölf Wochen und wird in drei Phasen gegliedert:

Einführung, Diagnostik, Zielsetzung (ca. 3 Wochen)

  • Kontakt- und Beziehungsaufnahme mit dem Behandlungsteam und der Patientengruppe
  • Kennenlernen des Wochenplans und des Therapieangebotes
  • Diagnose erörtern
  • Zielsetzung des Aufenthaltes konkret definieren und entsprechende Therapiemassnahmen ableiten

Threapie (ca. 6 Wochen)

  • Intensive Therapiephase mit Unterstützung des Kernteams (Psychologin und pflegerische Bezugsperson) und aller weiteren Berufsgruppen
  • Arbeiten mit Individuellen Wochenzielen
  • Neue Fertigkeiten lernen, üben und festigen
  • Kontinuierliche Überprüfung der Zielerreichung
  • Einbezug von relevanten Bezugspersonen (Familie, Freunde, Arbeitgeber)

Austritt (ca. 3 Wochen)

  • Gelerntes in den Alltag integrieren (eventuell Belastungsurlaub)
  • Nachbehandlung und -betreuung planen und organisieren
  • Austritt und Wiedereingliederung konkret vorbereiten

Das gruppenorientierte Setting der Behandlungsstation bietet motivierten Betroffenen einen geschützten Rahmen und eine therapeutisch dichte Erfahrungs-, Lern- und Übungsatmosphäre. Sie fördert gezielt zwischenmenschliche und soziale Kompetenzen und unterstützt den geplanten Veränderungsprozess.

Zusätzlich vertieft die Kunsttherapie den Prozess, unterstützen Bewegungs-,  Atem- und Aromatherapie die Selbstwahrnehmung und den Zugang zum eigenen Körper.

Psychologinnen, Ärzte, Therapeuten, Sozialarbeitende und Pflegefachpersonen der Station verfügen über das Wissen und das Verständnis für interaktionelle Prozesse und haben umfangreiche Erfahrung in der besonderen Behandlungsdynamik bei Persönlichkeits- und Traumafolgeerkrankungen.

Dieses Behandlungsangebot ist ein gemeinsames kantonales Angebot beider St.Galler Psychiatrieverbunde. Für die Beratung und Unterstützung in persönlichen Fragen stehen Ihnen unsere Fachpersonen an allen nachfolgend aufgeführten Standorten zur Verfügung:

Für komplex erkrankte Patientinnen und Patienten mit Einschränkungen durch Persönlichkeitsstörungen, Persönlichkeitsentwicklungsstörungen und akzentuierten Persönlichkeiten, bei denen eine ambulante Therapie nicht möglich oder zielführend ist, bieten wir eine stationäre Psychotherapie. Spezialangebote innerhalb des Basisprogramms auf der Station richten sich einerseits an Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung, andererseits an Patienten mit komplexen Traumafolgestörungen. Auch für Patienten mit ADHS und Esstörungen, bieten wir spezifische Angebote. Eine erfolgreiche stationäre Psychotherapie ist neben unserem fachlichen Knowhow angewiesen auf die aktive Mitarbeit der betroffenen Patienten. Diese Motivation sowie weitere Voraussetzungen für die Therapie klären wir vor Beginn der Therapie in einem Indikationsgespräch, das dem Patienten zudem die Möglichkeit bietet, sich detailliert über das Angebot zu informieren und uns und unsere Räumlichkeiten kennen zu lernen. Anmeldungen für ein Indikationsgespräch können Sie mit unserer Triagestelle vereinbaren (Tel. 081 303 66 66) oder triage@psych.ch.

In der Behandlung sind uns die Zusammenarbeit und der proaktive fachliche Austausch mit den Zuweisern sehr wichtig. Sie bekommen deshalb nach dem Indikationsgespräch einen schriftlichen Bericht über unsere Einschätzung des Patienten, nach erfolgter Aufnahme eine Eintrittsbestätigung mit Nennung der Hauptbehandlerin, bei Austritt eine Austrittsbestätigung mit Diagnosenennung und aktueller Medikation sowie einen Austrittsbericht. Auch ein telefonischer Austausch mit Ihnen ist erwünscht und kann von beiden Seiten initiiert werden.

In der stationären Psychotherapie können komplex erkrankte Patientinnen und Patienten genau differentialdiagnostisch abgeklärt und therapeutische Schritte initiiert und gefestigt werden, damit anschliessend die Behandlung ambulant fortgesetzt werden kann. Die Behandlung empfiehlt sich für Menschen, die in ihrer Lebensgestaltung eingeschränkt sind (leben von Beziehungen, Arbeitsfähigkeit) durch die Erkrankung und bei denen die Erkrankung so komplex oder belastend ist, dass die ambulante Therapie nicht möglich ist. Insbesondere unzureichende Selbststabilisierung, Suizidalität und Dissoziationen können eine ambulante Behandlung verunmöglichen.

Unsere therapeutische Ausrichtung ist pluralistisch mit Elementen aus der: psychodynamischen, systemischen, humanistischen und verhaltenstherapeutischen Richtung inklusive DBT-Programm und  Schematherapie. Mitarbeitende sind geschult in EMDR und MBSR.

Zeitliche Einbettung der stationären Psychotherapie
Patientinnen und Patienten gelangen meistens wegen der Symptomatik einer Achse-1-Störung in Behandlung, selten primär wegen einer Persönlichkeitsstörung. Wichtig ist deshalb in der Grundversorgung aufmerksam zu sein für komorbide und zugrunde liegende Achse-2-Störungen und diese präzise zu erfassen. In einem zweiten Schritt ist zu klären, welche Problematik aktuell im Vordergrund steht und welche Therapiemethode wann indiziert ist, beispielsweise Krisenintervention wegen Suizidalität, Suchtbehandlung, Behandlung schwerer Depression etc. Die Behandlung von schweren Persönlichkeitsstörungen erfolgt meistens sequentiell über einen längeren Zeitraum in verschiedenen Settings. Unsere Psychotherapiestation ist hierbei der geeignete stationäre Rahmen.

Angebot
Das Angebot richtet sich an Patientinnen und Patienten mit Persönlichkeitsstörungen, Depressionen, Essstörungen, ADHS und somatoformen Störungen. Ein Behandlungsschwerpunkt richtet sich an Borderline-Patienten aber auch an Patientinnen mit komplexen Traumafolgestörungen, welche von spezifischen Therapieelementen profitieren können. Die ganze Behandlung wird engmaschig und alltagsnah durch hochqualifizierte Pflegefachpersonen begleitet, was uns von anderen Therapieeinrichtungen unterscheidet. Dies ermöglicht ein herausforderndes und dichtes Therapieangebot. Das gruppenorientierte Setting der Therapiestation bietet eine hilfreiche Erfahrungs-, Lern- und Übungsatmosphäre zur Förderung der zwischenmenschlichen sozialen Kompetenz.

Für die stationäre Psychotherapie gibt es gut manualisierte Therapieprogramme mit hoher Evidenz, insbesondere das DBT-Programm für  Borderline-Persönlichkeitsstörung hat eine Evidenz Grad Ib. Sowohl bei der komplexen PTBS wie bei ADHS gibt es syndromal breite Überlappungen mit der Boderline-Persönlichkeitsstörung (Impulsivität, Stimmungslabilität, Schwierigkeiten in der Beziehungsgestaltung). Das DBT-Programm, insbesondere das Skills-Training ist in Adaptation auch für diese Erkrankungen hilfreich und gut evaluiert.

Behandlungsdauer
Die Behandlungsdauer wird individuell festgelegt und umfasst mindestens 6 bis 12 Wochen.

Indikation
Eine stationäre Psychotherapie ist indiziert, wenn die Bearbeitung der Störungsmechanismen und Traumata im ambulanten Rahmen zu massiver Destabilisierungen führen würde. Die Patientinnen profitieren vom Gruppensetting im milieutherapeutischen Rahmen, wo das problematische Verhalten viel besser sichtbar wird als im Einzelsetting und wo neue und korrigierende Beziehungserfahrungen gemacht werden können.

Voraussetzungen für eine Behandlung
Die stationäre Behandlung von Persönlichkeitserkrankungen bedingt bei den Patientinnen und Patienten ein ausreichendes Problembewusstsein für ihre Grunderkrankung. Diese Voraussetzung wird in einem Indikationsgespräch vorgängig vor einer stationären Behandlung durch das Behandlungsteam geprüft.

Medikamente
Die Behandlung der Persönlichkeitsstörungen erfolgt in einem Gesamtbehandlungsplan und ist primär psychotherapeutisch. Komorbide Achse-1-Störungen werden leitliniengemäss mediziert. Im Weiteren kann eine symptomorientierte adjuvante Medikation Unterstützung bieten, wobei dieser Einsatz im off-label-use erfolgt (Evidenz Grad 1). Zur Stimmungsstabilisierung, Verbesserung von Ärger und Impulsivität werden Lamotrigin und Topiramat eingesetzt werden. Bei der PTSD sind SSRI und Velanfaxin wirksam, zugelassen sind aber nur Seralin und Deroxat.

Pflegefachpersonen
Pflegende der Behandlungsstation verfügen über Verständnis für interaktionelle Prozesse und über spezielle Kenntnisse und Erfahrungen der besonderen Dynamik bei der Betreuung von Patienten mit Persönlichkeits- und komplexen Traumafolgeerkrankungen.

Diagnostik
Im (strukturierten) diagnostischen Interview wird die Diagnose der Persönlichkeitsstörung erfasst, Ergänzungen mit psychometrischen Tests (SKID 2) und Interviews gemäss OPD können erfolgen. Wichtig ist die Erfassung von komorbiden Achse-1-Störungen, da diese mitbehandelt werden müssen, respektive unerkannt eine Behandlung verunmöglichen können. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung sind ausreichende Kontrolle eines allfälligen Substanzkonsums und Kontrolle autoaggressiven und suizidalen Verhaltens durch die Patienten.

Voraussetzung für eine stationäre Psychotherapie ist neben der nosologischen Diagnose das Problembewusstsein der Patientin (des Patienten) für ihre Störung und die Einsicht, dass es nur mit einer Veränderung ihrerseits zu einer Verbesserung der Lebensqualität und einer erfolgreichen Lebensbewältigung kommen kann (Krankheitseinsicht/ Therapieverständnis). Diese Voraussetzungen werden in einem Indikationsgespräch vorgängig vor einer stationären Behandlung durch das Behandlungsteam geprüft werden.

Psychotherapie
Die Psychotherapie erfolgt im Einzel- und Gruppensetting durch geschulte und erfahrene Psychotherapeuten (Ärzte, Psychologinnen) in einem strukturierten Wochenplan. Die Therapie dauert in der Regel 12 Wochen und wird in drei Phasen unterteilt und gegliedert.

Für Borderlinepatienten wird das zertifizierte DBT-Programm angeboten, welches pro Woche folgende zusätzliche Therapieeinheiten umfasst

  • 1-2 Stunden DBT-Einzeltherapie
  • mindestens 2 Stunden Skillstraining
  • mindestens 1 Stunde Psychoedukation in der Basisgruppe
  • mindestens 1 Stunde regelgeleitete Selbsthilfegruppe

Neben der Psychotherapie im Einzelsetting sind Psychoedukation und die spezifischen DBT-Gruppen inklusive Skillsgruppe wesentlicher Teil des Behandlungsangebotes.

Komplex traumatisierte Patienten und ADHS-Patienten können betreffend Affektregulation, Impulskontrolle, Selbstwahrnehmung und sozialer Fertigkeiten ebenso vom DBT-Programm profitieren, die Einzelpsychotherapie und Bezugspersonenarbeit muss aber störungsspezifisch durch mit diesen Krankheitsbildern vertraute Therapeuten erfolgen. Bei schweren somatoformen Störungen liegen meistens verdeckte Traumatisierungen vor. Es gilt, die therapeutische Beziehung sorgfältig aufzubauen und stetig zu stützen, vorsichtig ein Störungskonzept zu entwickeln, welches psychotherapeutische Interventionen begründet und diese mit praktischen Erfahrungen auf der Therapiestation verbindet (Zusammenhang körperliche Beschwerden mit Stresswahrnehmung, Bewusstsein für Gefühle schaffen, Kognitionen und Kommunikation ändern, Stressmanagement und Genuss- und Entspannungstraining, Biofeedback), vgl. Allen et al 2006. Bezüglich der Traumatisierungen kann auch eine Traumatherapie folgen.

Bei schweren Essstörungen, insbesondere Anorexia nervosa, bietet die stationäre Behandlung gegenüber ambulanten Settings den Vorteil der Überwachungsmöglichkeit insbesondere betreffend körperlicher Gefährdung und die Möglichkeit der konkreten Arbeit am Essverhalten verbunden mit Ernährungsberatung. Psychoedukation im Gruppensetting, Essenstraining nach VT-Prinzipien ergänzen die besser psychodynamisch orientierte Psychotherapie durch mit Essstörungen erfahrene Therapeuten.

Fachliteratur

  • Edgar Heim, 1985; Praxis der Milieutherapie

Zu DBT

  • Martin Bohus, 2002; Borderline-Störung (Das Buch basiert auf der Dialektisch-Behavioralen-Psychotherapie von Marsha Linehan. In komprimierter Form werden die theoretischen Grundlagen und Behandlungsprinzipien dargestellt)
  • Marsha Linehan, 2007; Dialektisch-Behaviorale-Therapie (Das umfangreiche Standartwerk verfasst von der Begründerin der DBT)
  • Martin Bohus, Martina Wolf-Arehult, 2018; Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten Das Therapeutenmanual
  • Martin Bohus, Markus Reicherzer, 2012; Ratgeber Borderline-Störung: Informationen für Betroffene und Angehörige

Zu Traumafolgestörung

  • Louise Reddemann, 2011; Psychodynamisch imaginative Traumatherapie PITT, Das Manual
  • Louise Reddemann, 2017; Imagination als Heilsame Kraft, Ressourcen und Mitgefühl in der Behandlung von Traumafolgen
  • Ulrich Sachsse, 2018; Traumazentrierte Psychotherapie (Ausführliche Darstellung der neuesten Ergebnisse aus Forschung und Praxis zur Traumatherapie unter Einbezug verschiedener psychotherapeutischer Methoden und Techniken)

Anmeldung

Die Anmeldung erfolgt durch Betroffene selbst, den behandelnden Haus- oder Facharzt, Behörden oder Institutionen oder andere vorbehandelnde Stellen. In einem Vorgespräch wird die aktuelle Situation erhoben, der Behandlungsbedarf geklärt, eine Zielformulierung gemeinsam erarbeitet und anschliessend der Eintrittstermin geplant. Ihre Anmeldung nehmen wir telefonisch oder schriftlich entgegen: Tel 081 303 66 66, triage@psych.ch

Kostenübernahme

Die Kosten für die Leistungen werden von der Krankenkasse im Rahmen der Grundversicherung (KVG) übernommen, der übliche Selbstbehalt geht zu Lasten der Patientin, des Patienten. Bei Versicherten im Hausarztmodell (HMO) ist die Zuweisung durch den Hausarzt, durch die Hausärztin notwendig. Für Leistungen im Bereich Beratung und Supervision wir ein separater Tarif vereinbart.

Ansprechpersonen

Klinik St.Pirminsberg

Roland Stehr

Dr.med., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Oberarzt Psychotherapiestation