Beratungsangebot für Menschen mit Übergewicht

Informationen

Wir befähigen Sie durch Anleitung zu einer kontinuierlichen und langfristigen Gewichtsabnahme.

Als auslösende Faktoren für starkes Übergewicht (oberhalb der Normgrenze von BMI 30) gelten genetisch bedingte Anfälligkeit, extremes Verhalten bezüglich Nahrungsaufnahme, mangelnde körperliche Bewegung, unnatürlich schlankes Schönheitsideal, erfolglose Diäten (häufig bereits in der Kindheit), psychische Belastungssituationen, in seltenen Fällen andere körperliche Krankheiten. Bei starkem Übergewicht treten häufig weitere körperliche Störungen wie Herzbeschwerden, Atemschwierigkeiten oder Gelenkserkrankungen auf  oder psychische Begleiterkrankungen wie beispielsweise Depression.

Oft ist der Wille zur Gewichtsabnahme, das Wissen über gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung bei Betroffenen vorhanden, diese können jedoch aufgrund von psychischen, biologischen und sozialen Faktoren nicht umgesetzt werden. Die Herausforderung liegt darin, die in den Behandlungsansätzen vermittelten Regeln und Verhaltensempfehlungen umzusetzen und längerfristig einzuhalten.

Wir erbringen die Begleitung und Behandlung bei Adipositas nach professionellen Standards und klären auslösende Faktoren, Risikofaktoren und Hintergrundkonstellationen umfassend ab und schaffen die Grundlage für weitere Schritte oder Entscheide.

Definition Adipositas
Starkes Übergewicht (oberhalb der Normgrenze von BMI 30). Übergwicht gehört heute zu den häufigsten Ursachen körperlichen und seelischen Leidens in der westlichen Welt.

Risikofaktoren

  • Genetische Prädisposition
  • Mangelnde Selbstsicherheit
  • Wenig tragendes, überforderndes Umfeld
  • Anforderungen der Massenmedien und des Zeitgeistes (unnatürlich schlankes Schönheitsideal)
  • Extremes Verhalten bezüglich Nahrungsaufnahme
  • Mangelnde körperliche Bewegung
  • In seltenen Fällen einer körperlichen Krankheit zuzuordnen

Begleiterkrankungen (Komorbidität)
Diese müssen parallel behandelt werden.

  • Depressionen
  • Suchterkrankungen
  • Posttraumatische Belastungsstörungen
  • Essstörungen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Diabetes
  • Nierensteine
  • Herzerkrankungen
  • Gelenkserkrankungen
  • Atembeschwerden

Angebot
Die psychotherapeutische Behandlung hat folgende medizinische Schwerpunkte:

  • Diagnostik
  • Pharmakotherapie, falls notwendig und sinnvoll
  • Fachärztliche Überweisungen und Triagierungen zur medizinischen Untersuchung für eine allfällige bariatrische Chirurgie (Zusammenarbeit mit einer externen Fachinstitution)

Die Behandlung stützt sich drei Pfeiler:

  • Diätetische Anweisungen (Ernährungsberatung). Eine kurzfristige Gewichtsabnahme wird vermieden, da diese zu einer längerfristigen Gewichtszunahme über den Ausgangswert hinaus führt. Angestrebt wird eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von 0.5 bis 1 Kilogramm pro Woche.
  • Anleitung zur Steigerung der körperlichen Aktivität im Alltag (beispielsweise Treppen steigen anstatt den Lift zu nehmen) und in der Freizeit (Sport, Physiotherapie). Dabei wird eine Bewegungssteigerung auf mindestens fünf Mal 30 Minuten pro Woche angestrebt (beispielsweise Gehen, Schwimmen, Tanzen).
  • Allgemeinärztliche Behandlung der gesundheitlichen Komplikationen bzw. Begleiterkrankungen.

Die Herausforderung für die Patientin, für den Patienten liegt darin, die in den Behandlungsansätzen vermittelten Verhaltensregeln längerfristig umzusetzen und einzuhalten. Nur 10 Prozent der Übergewichtigen können ihr Gewicht dauerhaft (zwei Jahre und länger) um 5 bis 10 Prozent oder mehr reduzieren.

Medikamente
Falls indiziert, erfolgt eine psychopharmokologische Therapie (der reaktiven psychischen Erkrankungen) durch einen Arzt, eine Ärztin.

Diagnostik

Ziele der Diagnostik

  • Transparente und valide Diagnoseerstellung nach ICD-10
  • Ausschluss von möglichen somatischen Ursachen bzw. Feststellen allfälliger somatischer Komorbidität
  • Auftragsklärung mit Einbezug der Patientin, des Patienten

Gewinnung folgender Informationen

  • Anamnese - Eigen- und Fremdanamnese (biografische Anamnese, Krankheitsverlauf, Komorbidität) - Familienanamnese (v.a. bzgl. psychiatrischer, neurologischer und Stoffwechsel- (v.a. endokriner) Erkrankungen
  • Aktueller psychopathologischer Befund nach AMDP
  • Laborbefunde: Als Basisdiagnostik Blutbild, Schilddrüsenwerte (TSH als Screening), Elektrolyte, Kreatinin, Nüchtern-Glucose, Leberenzyme, Blutlipide, Vitamin B12, Entzündungsparameter, Urinstatus
  • Bei Verdacht auf organische Ursachen zusätzliche apparative somatische Befunde: Bildgebung (bevorzugt MRI) des Neurokraniums (V.a. bei Ersterkrankung)
  • Somatische Untersuchung, Gewicht, Grösse, BMI

Symptome
Gewicht oberhalb der Normgrenze von BMI 30, bei starkem Übergewicht resp. Fettleibigkeit können körperliche Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Herzbeschwerden, Atemschwierigkeiten oder Gallensteine auftreten. Oft gestörtes Essverhalten mit Essanfällen, bei denen in kurzer Zeit grosse Mengen von Nahrung zu sich genommen werden, mit dem Gefühl von Kontrollverlust (Binge-Eating-Störung).

Auslösende Faktoren
Es ist wichtig, zwischen auslösenden Faktoren, Risikofaktoren und Hintergrundkonstellationen zu unterscheiden. Als auslösende Faktoren gelten Diäten, die häufig bereits in der Kindheit durch Fachleute und Eltern empfohlen wurden, und/oder psychische Belastungssituationen.

Hintergrundkonstellationen
Psychische Belastungen und Verletzungen kommen oft als Hintergrundkonstellation hinzu und verstärken das Fehlverhalten beim Essen in seiner Wirkung noch zusätzlich. Das Fehlverhalten kommt teilweise durch mangelndes Wissen über gesunde Ernährung und über ausreichende körperliche Bewegung zustande. Häufiger jedoch ist dieses Wissen zwar vorhanden, kann jedoch aufgrund von psychischen, biologischen und sozialen Faktoren nicht umgesetzt werden. Wenn Menschen, deren körpereigenes Gewicht im oberen Normbereich liegen würde (z. B. BMI 24-26) versuchen, durch Beschränkung der Nahrungsaufnahme ein ihrem Körper nicht entsprechendes, tiefes Körpergewicht zu erreichen, kommt es zu Störungen des Hunger- und Sättigungsmechanismus. Diese Störungen sind oft so nachhaltig, dass dadurch im Verlauf des Lebens das genetisch fixierte leichte Übergewicht zu einem massiven Übergewicht anwächst.

Weiterführende Informationen
Swiss Society for the Study of Morbid Obesity and Metabolic Disorders

Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur «Prävention und Therapie der Adipositas», 2014

Anmeldung

Die Anmeldung erfolgt durch Betroffene selbst, den behandelnden Haus- oder Facharzt, Behörden oder Institutionen oder andere vorbehandelnde Stellen. Ihre Anmeldung nehmen wir telefonisch oder schriftlich entgegen. Wählen Sie dafür einen der genannten Behandlungsorte.

Kostenübernahme

Die Kosten für die Leistungen werden von der Krankenkasse im Rahmen der Grundversicherung (KVG) übernommen, der übliche Selbstbehalt geht zu Lasten der Patientin, des Patienten. Bei Versicherten im Hausarztmodell (HMO) ist die Zuweisung durch den Hausarzt, durch die Hausärztin notwendig. Für Leistungen im Bereich Beratung und Supervision wir ein separater Tarif vereinbart.

Ansprechpersonen

Psychiatrie-Zentrum Linthgebiet, Standort Uznach

Melissa Ballestrin

Eidg. anerkannte Psychotherapeutin

Psychologin, Leiterin Beratungsangebot für Menschen mit Übergewicht

Selbsthilfegruppen

Nachfolgend finden Sie eine Auswahl von möglichen Selbsthilfeangeboten. In einer Selbsthilfegruppe beispielsweise treffen sich Menschen regelmässig, um über persönliche Fragestellungen und Erfahrungen zu diskutieren und zu beraten.

Netzwerk Psychische Gesundheit Schweiz
Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen St.Gallen/Appenzell
VASK Ostschweiz
Pro Mente Sana

Suchterkrankungen:
AI-Anon
Sucht Schweiz

Suizid/Tod:
Verein Regenbogen
Trauerbegleitung

Alterspsychiatrie:
Pro Senectute
Schweizerische Alzheimervereinigung
Zentrum Wiitsicht

Telefonhilfe:
Dargebotene Hand
Kinder und Jugendliche

Eltern und Kinder:
Pro Juventute
Kinderschutzzentrum St.Gallen

Hirnverletzte:
Fragile Suisse

Dachorganisation regionaler Kontaktstellen für Selbsthilfegruppen Schweiz:
Selbsthilfe Schweiz
Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen Liechtenstein
Team Selbsthilfe Graubünden
Selbsthilfezentrum Zürcher Oberland

Dachorganisation Selbsthilfeangebote in Europa:
Eufami