Zwangserkrankungen – Gedanken und Handlungen mit Leidensdruck

Zwangserkrankungen
Alltägliche Rituale und Routinen geben Orientierung. Bei Zwängen sind Gedanken oder Handlungen mit einem Leidensdruck verbunden, rauben immer mehr an wertvoller Zeit und verunmöglichen ein normales Leben.

Hilfreiche Rituale und Routinen
Alltägliche Rituale und Routinen geben Orientierung und helfen, den Alltag zu strukturieren. Beispielweise der Kaffee am Morgen, der prüfende Blick in den Spiegel vor dem Verlassen des Hauses, die Kontrolle des Herdes nach dem Kochen oder der Haustüre vor dem Schlafengehen. 

Zwang ist mit Angst verbunden
Was Zwänge von ritualisierten Abläufen unterscheidet ist, dass Gedanken oder Handlungen immer mehr Zeit rauben und mit einem Leidensdruck verbunden sind. Bei Zwangserkrankungen sind die Gedanken und Handlungen mit Angst verbunden. 

Betroffene fühlen sich gefangen
Belastend für Betroffene ist nicht der Inhalt der Zwangshandlung (z.B. das Kontrollieren), sondern dass sie sich gefangen fühlen. Zwangshandlungen können täglich Stunden in Anspruch nehmen und verunmöglichen ein normales Leben. Bei chronischer Ausprägung und ohne Behandlung können sie zu Arbeitsunfähigkeit, sozialem Rückzug und Depressionen führen.

Die Schweizerische Gesellschaft für Zwangsstörungen SGZ führt Betroffene, Angehörige und Spezialisten auf ihrer Seite zusammen, regt zum Austausch an und unterstützt aktiv bei der Bewältigung von Zwängen (Selbsthilfe, Experten, Literatur, etc.)

Darüber sprechen hilft
Zwangssymptome sind oft sehr schambesetzt. Betroffene fühlen sich ohnmächtig gefangen in einem Teufelskreis. Ansprechen hilft diese Scham zu überwinden und aus dem Teufelskreis auszubrechen. Angehörige helfen oft, ohne es zu wollen, die Symptomatik aufrecht zu erhalten. Indem sie unterstützen wollen, werden sie Teil des Systems. Auch für sie ist es wichtig Hilfe zu holen und die Situation anzusprechen, um sie ändern zu können.

Wir bieten individuelle Beratung und Behandlung an
Betroffene mit zwanghaften Verhaltensweisen oder Zwangserkrankungen finden bei uns ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Beratung und Behandlung. Hinter Zwangssymptomen stehen Ängste, die durch die Durchführung der Zwangsrituale kurzfristig neutralisiert werden. Dadurch entsteht ein Teufelskreis. In der Behandlung geht es darum, den individuellen Teufelskreis der Patientin, des Patienten zu analysieren und zu durchbrechen. Durch bewusstes «Nicht-Durchführen» der Zwänge und Konfrontation mit den Ängsten, können Betroffene lernen diesen Teufelskreis zu unterbrechen. Sie können neue Erfahrungen sammeln und ihre Ängste abbauen.

Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant in unseren Psychiatrie-Zentren. Je nach Charakter der Zwangssymptome finden Sitzungen auch ausserhalb, beispielsweise im häuslichen Umfeld statt. Die Behandlungsdauer hängt von der Schwere der Symptomatik ab. Jedoch ist in der Regel rasch eine Verbesserung spürbar. Ehemalige Zwangspatientinnen und -patienten berichten von einer deutlichen Verbesserung ihrer Lebensqualität. Sie gewinnen Zeit, die sie nützen können für wertvolles Handeln wie das  Pflegen von Beziehungen oder die Wiederaufnahme von Hobbies.

Autorin: Dr. med. Angela Brucher, Chefärztin