Safewards – in Krisensituationen Eskalationen abwenden

Safewards
Fachpersonen können Krisensituationen auf den Behandlungsstationen aktiv vorbeugen und viel bewirken, indem sie die Ursprungsfaktoren im Auge behalten und einschreiten, bevor ein Konflikt eskaliert.

Sicheres Umfeld herstellen
Safewards wurde von der Fachhochschule der Diakonie, Lehrstuhl Psychiatrische Pflege, Bielefeld (DE) eigens für psychiatrische Behandlungsstationen entwickelt. Es soll helfen, in Krisensituationen Gewaltausbrüche und Selbstverletzung zu verhindern und dazu beitragen, dass weniger Zwangsmassnahmen nötig sind. 

Das Safewards-Modell
Es fasst jene Faktoren zusammen, die die Häufigkeit von Konflikten und Eindämmungsversuchen auf Behandlungsstationen in psychiatrischen Kliniken beeinflussen. Und es erklärt, warum auf manchen Stationen häufiger Konflikte vorkommen als auf anderen, auch wenn sie sich in derselben Klinik befinden und die Patientinnen und Patienten ähnlich sind.
Unter Konflikt gelten alle Arten von Verhalten, das die eigene Sicherheit von Patientinnen und Patienten oder die Sicherheit von anderen gefährdet, beispielsweise Gewalt oder Selbstverletzung. Unter Eindämmung gelten jene Maßnahmen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Pflege, um solchen Konflikten vorzubeugen oder deren negative Folgen einzudämmen.

Mitten in der Umsetzung
In der Klinik St.Pirminsberg wird Safewards und die damit verbundenen zehn Interventionen Schritt für Schritt eingeführt. Dazu zählen unter anderem eine verständnisvolle, positive Kommunikation, die Klärung gegenseitiger Erwartungen, deeskalierende Gesprächsführung, Unterstützung bei unerfreulichen Nachrichten und Methoden zur Beruhigung. 

Der aktuelle Stand der Umsetzung auf den drei Akutstationen ist unterschiedlich: die einen befinden sich noch in der Implementierungsphase, andere sind bereits in der Evaluation. 

Lernfähigkeit des Behandlungsteams
Voraussetzung für eine erfolgreiche Einführung ist wohl die Bereitschaft des Behandlungsteams, das eigene Handeln zu überdenken, die Haltung gegenüber den Patientinnen und Patienten anzupassen und ein hohes Mass an Reflektion und Lernfähigkeit. 

Erfahrungen der Stationsteams 
Im Rahmen der Umsetzung sahen sich die Behandlungsteams vor verschiedene Herausforderungen gestellt, beispielsweise wurden vertraute Regeln aufgelöst, wobei manche in Erwartungen umformuliert und andere ganz aufgehoben wurden. Gespräche mit den Patientinnen und Patienten wurden nun weniger konfrontativ gestaltet und es kam zu weniger Eskalationen von Konflikten. Die Behandlungsteams erfahren von Patientinnen und Patienten positive Rückmeldungen zu den Interventionen und werden dadurch bestärkt. 

Mehrwert für Patientinnen und Patienten
Durch die Implementierung der zehn Interventionen wird für Patientinnen und Patienten eine sichere Umgebung geschaffen, mit spürbar weniger Regeln und Einschränkungen. Kam es auf der Station zu ausserordentlichen Situationen (Gewalt oder Aggression), wurde die Situation bisher mit der direkt betroffenen Person besprochen. Nach der Implementierung von Safewards, wird die Situation neu auch mit Patientinnen und Patienten besprochen, welche nicht direkt betroffen sind. So können auch die anderen Patientinnen und Patienten ihre Ängste und Sorgen gegenüber dem Behandlungsteam offen einbringen und erhalten auf Wunsch individuelle Unterstützung. Darüber hinaus wurde die «gemeinsame Unterstützungskonferenz» eingeführt, um Anliegen und Wünsche, welche die ganze Patientengruppe betreffen, mit dem Behandlungsteam diskutiert werden können. 

Autoren: Carmine Di Nardo, Leiter Pflegedienst und Therapien, Jelena Stjelja, Fachverantwortliche Pflege