Rückblick auf die vergangenen Wochen

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Rückblick
Neben der anfänglichen Ungewissheit und Furcht vor Covid-19, den vielen neuen Herausforderungen die es zu meistern gab, war auch stets die Sorge um die uns anvertrauten Menschen da. Auf die Krisenzeit und deren Bewältigung zurückzuschauen hilft uns, vorwärtszugehen.

Herausforderungen der Krise
Zu Beginn der Krise war die Ungewissheit besonders schwierig. Wir wussten nicht, wie stark uns die Covid-19 Pandemie treffen würde. Gleichzeitig bekamen wir täglich Schreckensbilder aus Norditalien zu sehen. Auch die Ressourcenknappheit belastete uns. Wir mussten den Betrieb an unseren fünf Standorten aufrecht halten, obwohl wir nicht über entsprechende Schutzmaterialien verfügten (Masken, Desinfektionsmittel). Deshalb war es schwierig, auf betrieblicher Ebene die Balance zu halten (Bedarfserwägung) zwischen Schutzmassnahmen und der Aufrechterhaltung unserer Behandlungsangebote. Da gab es hitzige Diskussionen.

Solide Partner für Zuweisenden
Währen der gesamten Krisenzeit konnten wir die Versorgung erhalten. Unser Credo war: Reduktion auf das Wesentliche und Konzentration auf den Kernauftrag Behandlung. Das führte auch zu einer gewissen Beruhigung und zu einem langsameren Rhythmus. 

Zusätzliche Last für Patienten
Einigen unserer Patientinnen und Patienten hat die erzwungene Ruhe gut getan. Andere haben teilweise tolle Nachbarschaftshilfe erlebt und waren positiv überrascht, oder konnten selbst jemandem helfen (Selbstwirksamkeit). Gelitten haben vor allem die, die vorher schon sehr angespannt und überlastet waren und von Natur aus ängstlich und besorgt sind. Bei einem Teil von ihnen hat die Pandemie-Angst das Fass zum Überlaufen gebracht und es kam zur Dekompensation bzw. zu einer schweren Krise. Diese Personen brauchen jetzt Erholung. Sie müssen wieder Halt und Sicherheit im Leben finden.

Sorge um Mitarbeitende
Die Ungewissheit und die Furcht vor Covid-19, bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und besonders bei den Risikogruppen unter ihnen waren nachvollziehbar. Aber auch die Isolation unserer Mitarbeitenden im Home Office, die zusätzliche Organisation der Kinderbetreuung und der Kontakt unserer Fachleute zu unseren Patientinnen und Patienten über elektronische Medien waren für viele ungewohnt und eine Herausforderung. Wir waren sehr besorgt. Gleichzeitig habe ich viel motivierte Zusammenhalt erlebt, tolle Mitarbeitende und eine gute Stimmung (hohe Moral). Das war schön. Rückblickend freut mich der Zusammenhalt, die positive Stimmung, das Wissen, dass wir in der Krise gut funktioniert haben. Wir dürfen stolz auf uns sein!

Gelerntes beibehalten
Den Grundsatz «Weniger ist mehr» und die Konzentration auf das Wesentliche wollen wir auch künftig hochhalten. Im stationären Klinikbetrieb in Pfäfers wird die zentrale Patientenaufnahme, die ursprünglich als Covid-19-Screening gedacht war, beibehalten. Von den optimierten Abläufen profitieren unsere Patientinnen und Patienten direkt: besseren Service beim Eintritt in die Klinik, das heisst, Sie werden direkt empfangen, ein erstes Screening und die somatische Untersuchung wird durchgeführt und danach werden sie auf ihre Abteilung begleitet.

Wir bleiben weiter dran
Der Ausbau der digitalen Möglichkeiten der Behandlung, die langfristige Erweiterung von Home Office und das Üben des Einsatzes von Schutzmaterial im Behandlungsalltag (Selbsterfahrung mit Mundschutz zu arbeiten) werden an die Hand genommen. Auch unsere Lagerbestände von Schutzmaterial sollen für mögliche neue Pandemien aufgefüllt und noch gezielter bewirtschaftet werden. Das wurde zuvor vernachlässigt.

Noch besser werden 
Unabhängig von Covid-19 wollen wir uns auch in der Beziehungspflege gegenüber externen Behandlerinnen und Behandlern verbessern. Sie und unsere Fachpersonen sollen sich persönlich kennen und über kurze Wege rascher und noch unkomplizierter kommunizieren (Telefon oder Mail). In einer gelebten Beziehung werden dann auch Missstimmungen ehrlich angesprochen und allfällige Probleme geklärt. Darüber hinaus sollen interne Abläufe weiter optimiert werden: zeitnahes effizientes Berichtswesen, zeitnahes Mitteilen der relevanten Infos (beispielsweise neue Befunde).

Für die Zukunft
Was ich mir wünsche, wenn ich nach vorne schau: dass wir generell weniger Hemmungen beim Tragen von Masken und beim Einsatz von Desinfektionsmitteln haben, da sie auch beispielsweise im Winter während der Grippesaison oder bei Magen-Darminfektionen sehr gute Dienste leisten. Und dass wir uns mehr Selbstverständlichkeit im Umgang mit Telemedizin aneignen. Ob das «Handgeben» wieder eingeführt werden wird, bin ich gespannt.

Dr.med.univ. Angela Brucher, Chefärztin