Rauschpilze bei Depressionen?

Rauschpilze
Bei therapieresistenten Depressiven Erkrankungen kommen neben der Standardbehandlung auch verschiedene Alternativverfahren zum Einsatz. Die Verabreichung von psychoaktiven Substanzen wie Psilocain oder LSD ist in der Schweiz nur in Ausnahmefällen möglich und ist mit einigen Risiken verbunden.

Alternative Verfahren
Vor allem bei therapieresistenten Depressiven Erkrankungen kommen neben der Standardbehandlung, bestehend aus Psychotherapie und psychopharmakologischer Unterstützung,  zunehmend auch Alternativverfahren zum Einsatz. Einige davon sind mittlerweile sehr bewährt und wurden in die Leitlinien aufgenommen, beispielsweise die Elektrokrampftherapie. Andere sind gerade im Begriff, sich zu etablieren, wie die Behandlung mit Ketamin oder die transkranielle Magnetstimulation. Weitere befinden sich bezüglich ihrer Wirksamkeit und ihres Nebenwirkungsprofils in wissenschaftlicher Überprüfung. In diesen Bereich fallen verschiedene psychoaktive Substanzen wir Psilocain oder LSD. Diese sind als Rauschmittel schon lange bekannt. Ihre antidepressive Wirkung wird unter Kontrollbedingungen erst jetzt beforscht. Diesbezüglich beteiligt sich auch die Universität Zürich an einer Studie. 

Für Patientinnen und Patienten ist das eine Chance. Vor allem für diejenigen, denen man bisher nicht ausreichend helfen konnte. Wenn jemand so etwas ins Auge fasst, ist es wichtig, sich an ein zertifiziertes Zentrum zu wenden und keine Selbstversuche zu unternehmen, da diese Substanzen ohne ärztliche Kontrolle zu gefährlichen Nebenwirkungen führen können.

Britische Studie
Das Centre for Psychedelic Research am Imperial College London führte eine Studie mit 59 Patientinnen und Patienten mit schweren Depressionen durch, denen entweder Escitalopram (ein etabliertes Antidepressivum, das Stress dämpft) oder Psilocybin (experimentelle Substanz aus Rauschpilzen, die positive Gedanken und Gefühle freisetzt) verabreicht wurden. Beide Substanzen wirken auf die Rezeptoren von Serotonin, einem wichtigen Botenstoff im Gehirn. Im Rahmen der Studie wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt bzw. Psilocybin wirkte genauso gut wie das Antidepressiva und zeigte darüber hinaus zusätzliche positive Ergebnisse wie schnellere Wirkung und weniger Nebenwirkungen. Die Forschenden sind zuversichtlich, dass Psilocybin in wenigen Jahren als Heilmittel zugelassen sein wird.

Prof. Dr. med. Erich Seifritz, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik KPPP der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich bestätigt die Wichtigkeit dieser Studie im Rahmen der Entwicklung von Psychedelika als mögliche Behandlungsoption bei Angst- und Depressionserkrankungen.

In der Schweiz nur in Ausnahmefällen
Bewusstseinsverändernde Substanzen wie Psilocybin oder LSD in der Psychotherapie einzusetzen, ist in der Schweiz nur in Ausnahmefällen möglich und bedarf einer Ausnahmebewilligung durch das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic und das Bundesamt für Gesundheit BAG. Psycholytische Psychotherapien werden legal im Rahmen des «Compassionate Use» (Anwendung aus Mitgefühl) an schwer kranken Patientinnen und Patienten durchgeführt, die mit den verfügbaren Medikamenten nicht zufriedenstellend behandelt werden können. 

Die Einnahme von psychoaktiven Substanzen aus Rauschpilzen ist mit Gefahren und Risiken verbunden (Abhängigkeit, Vergiftungen durch Fehldosierung, gesundheitliche Beeinträchtigungen, unsachgemässe Therapiemethoden.). Im Rahmen einer legalen psycholytischen Psychotherapie (autorisiert durch die Schweizerische Ärztegesellschaft für Psycholytische Therapie SÄPT) erfolgt die Einnahme unter fachkundiger ärztlicher Anleitung und sie ist in eine vor- und nachbereitende konventionelle Psychotherapie eingebettet.

Meine persönliche Haltung ist aktuell abwartend: Es gibt mittlerweile einige anerkannte gute Verfahren zur Behandlung therapieresistenter Depressionen. Diese sollten ausgeschöpft sein bevor man sich auf einen experimentellen Versuch einlässt. Halluzinogene Substanzen wie LSD und Psilocain können gerade bei traumatisierten Menschen Horrortrips oder Angstzustände triggern und sie können bei Menschen mit Neigung zu schizophreniformen Erkrankungen zu Psychosen führen. Daher wäre ich im Moment vorsichtig und würde die wissenschaftlichen Ergebnisse laufend evaluieren.

Autorin: Dr. med. univ. Angela Brucher, Chefärztin