Peerarbeit – meine Erkenntnisse

Peerarbeit und Erkenntnisse
Peerarbeit lohnt sich, weil Peers Menschen in einer Krise unmittelbar abholen und ihnen Mut und Hoffnung vermitteln können.

Eigenes Erfahrungswissen eingebracht
Mit der Lancierung des Projektes Patientenorientierung im Jahr 2011 in der Klinik St.Pirminsberg begann die eigentliche, gezielte Mitarbeit von Betroffenen bzw. Peers bei den Psychiatrie-Diensten Süd. Als Betroffene wurden ich und meine Kollegin in verschiede Arbeitsgruppen integriert, um unser Erfahrungswissen ganz bewusst einzubringen. Sei es zum Beispiel für bei Überlegungen zur Infrastruktur oder für die Optimierung der Essensabläufe. Kontinuierlich wurden die Einsätze ausgebaut und uns so mehr Verantwortung übergeben.

Standards festgelegt
Fast zeitgleich begann die erste Weiterbildung von Peers oder eben Expertinnen und Experten aus Erfahrung durch die Pro Mente Sana. Als eine der ersten Weiterbildungsteilnehmende war mein Weg geebnet, um künftig als Peer in der Klinik zu arbeiten. Anfangs in enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Pflegeexperten. Wir legten erste Standards der Peer-Mitarbeit fest und entwickelten Konzepte für die Anstellung der Peers, die heute noch aktuell sind. Ganz bewusst wählt die Klinik ausgebildete Peers für eine Anstellung. Einerseits als Qualitätssicherung, anderseits aber auch um die Recovery-Bewegung mitzutragen und voranzubringen. Die Klinik St.Pirminsberg war schweizweit Vorreiterin der Peerarbeit. 

Intern Vertrauen aufgebaut
Die erste Zeit als Peer erlebte ich sehr herausfordernd. In erster Linie ging es anfangs darum, zu informieren und aufzuklären. Zu versichern, dass man sich der Rolle als Mitarbeiter bewusst ist und seine Grenzen und Pflichten kennt. War doch die interne Skepsis zu Beginn gross und wahrscheinlich waren auch Angst und Unsicherheit mit dabei. Gelingt den ehemals Betroffenen der Rollentausch? Umso schöner, dass sich heute die Peerarbeit etabliert hat und ein fester Bestandteil der Behandlungsteams auf den Stationen sind. Jede oder jeder Peer mit den eigenen persönlichen Erfahrungen und den Möglichkeiten sich einzubringen.

Mut und Hoffnung vermitteln
Peermitarbeit lohnt sich auf jeden Fall. Können doch Peers Menschen in einer Krise unmittelbar abholen und ihnen Mut und Hoffnung vermitteln. Sie in Einzelgesprächen begleiten und auffordern, Muster zu überdenken, neu zu ordnen und ihren Weg unbeirrt weiterzugehen. In Gruppenangeboten, geleitet durch Peers, werden praktische Themen wie zum Beispiel Auslöser, Frühwarn- und Krisenzeichen gemeinsam angeschaut, sichtbar gemacht und in der Gruppe ein gemeinsamer Lernprozess angestossen. 

Wertvolle Ergänzung zur Behandlung
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass Peerarbeit als wertvolle Ergänzung die Bewältigung einer Krise ermöglicht. Für die Zukunft wünsche ich mir das Selbstverständnis, dass Expertinnen und Experten aus Erfahrung integrativer Teil einer psychiatrischen Behandlung sind. Und die Erweiterung und den Ausbau der Einsatzgebiete von Peers, in welchen sie ihr Wissen in der Behandlung und in Weiterbildungen vermitteln können.

Autorin: Renata Bleichenbacher, Peer-Dozentin