Kunsttherapiegruppen – neue Themen durch Corona

Die Coronapandemie dividiert uns nicht auseinander. Es ist Zusammenhalt und Bescheidenheit spürbar und wenn wir in die gleiche Richtung ziehen, erzeugt dies eine neue Kraft.

Zusammenhalt spürbar
Anfangs dachte ich, dass diese Coronazeit uns alle ungemein distanziert, auseinanderdividiert. Dass wir die Nähe und den entspannten Umgang miteinander verlieren und noch mehr die sozialen Verbindungen. Das hat sich aber nicht bewahrheitet. Zusammenhalt ist überall spürbar. Auch ziehen die meisten an demselben Strick, was eine neue Kraft erzeugt. Da wir alle in demselben Boot sitzen, brauchen wir den Blick und die Entwicklung in dieselbe Richtung. Und das findet aus meiner Sicht statt. Vor allem dann, wenn wir den Austausch vertiefen und dranbleiben, uns mitteilen.

Kleinere Räume und Formate
Die Werke in den Kunsttherapiegruppen wurden sofort nach dem Lokdown kleiner, handlicher und überblickbarer, was ich sehr spannend finde. War vor der Coronazeit oft das Thema «Raum einnehmen, sich ausbreiten und seine Bühne in Anspruch nehmen» zentral, zeigten sich neue Themen wie: Was braucht es, dass wir nebeneinander Platz haben? Wieviel gebe ich? Was fordere ich dennoch ein? Wie ernst nehme ich meinen Raum und auf was kann ich gut verzichten?

Eine angenehme Bescheidenheit wurde sichtbar, und umsetzbar! In unseren verbalen Einstiegen wurde oft darüber geredet, wie wir mit der Angst vor dem Virus, umgehen. Was können wir tun, um uns nicht in der Isolation zu verlieren? Das war vor allem bei chronisch erkrankten Menschen der Fall. Wie kommen wir in gegenseitigen Austausch, ohne uns der Menge auszusetzen? 

Corona stets gegenwärtig
Natürlich hat die Corona-Krise täglich das Thema mitgestaltet. Die Menschen wollten in der Gruppe Gedanken und Gefühle besprechen. Sie mussten sich austauschen und Einsamkeit sowie Unsicherheit und Wut benennen, damit sie sich dann ihren Werken widmen konnten. Es gab auch ganz viele Gefühle der Resignation: «Ist mir doch egal, wenn ich mich anstecke, ich habe keine Angst vor Corona!» Hier kamen wir in die Thematik der Solidarität. Oft wurde nicht verstanden, dass Masken zu tragen ein Zeichen dafür ist, dass ich nicht nur mich selbst, sondern auch das Du schützen will. Viele interpretierten es so, dass das nur zum eigenen Schutz getragen wird.
 
Die dringlichsten Themen in den Kunsttherapiegruppen sind bis heute, einerseits die Angst vor dem «aus dem Haus gehen», und andererseits die Gleichgültigkeit sich am Virus anzustecken. Und dennoch ist es immer wieder möglich, im Gespräch und im Austausch Ruhe und Entspannung in die hitzigen Gemüter zu bringen. Sobald die Gefühle in Sprache, Bild und Werk umgesetzt werden konnten, linderte dies die Not.

Sich gegenseitig helfen ist der Weg
Das Einhalten der Schutzmassnahmen erwies sich anfangs als sehr schwierig, da es für uns alle neu war in grossem Abstand zu bleiben. Immer wieder haben einzelne die Regeln vergessen, wurden jedoch liebevoll, lustig und auch streng darauf aufmerksam gemacht. Jeder Teilnehmer, jeder Teilnehmerin wurde auch ein bisschen zum «gestrengen Richter», das ist wohl ein Naturell im Menschen. Mit der Zeit spielten sich die Regeln ein, sodass wir heute sogar mit Masken herumlaufen, ohne uns dauernd komisch zu fühlen. Das Umgewöhnen und sich gegenseitig helfen ist der hilfreichste Weg zur Veränderung.

Empfehlungen für den Erhalt der psychischen Gesundheit
Unbedingt den gesunden Menschenverstand nutzen und sich nicht von den Weisungen und Einschränkungen Angst einflössen lassen. Sondern sich selbst in der neuen Situationen beobachten, hineinfühlen und erfahren, was das alles mit mir macht: Warum fühlt es sich so an? Was kann ich tun, um damit einen guten Weg gehen zu können?
Die Pandemie gebietet uns zwar Einhalt, fordert uns aber auch auf, genau hinzusehen, was sich Neues entwickeln kann. Wir müssen versuchen, offen zu sein, Neues zu wagen und auszuprobieren. 

In der Natur auftanken
Die Natur ist unsere Lehrmeisterin! Nehmt die Natur wahr und tankt euch auf, indem ihr mit offenen Augen, Ohren und fühlenden Sinnen staunt, was sie zu bieten hat. Habt den Mut euch künstlerisch zu betätigen. Legt eine Steinspirale, oder ein Muster aus Farn, das kann überall angewendet werden. Es zentriert euch und gibt euch Kraft, den Alltag zu meistern!

Autorin: Nicole Kulli-Steger, Kunsttherapeutin