Kinderwunsch bei psychisch kranken Frauen

Gynäko
Nach Abschluss des gleichnamigen Forschungsprojektes liegen sowohl eine Informationsbroschüre zur Unterstützung betroffener Frauen bzw. Paare in ihrem Entscheidungsfindungsprozess, als auch Empfehlungen zur präkonzeptionellen Beratung durch Fachleute vor.

Projekt 2018 bis 2021
Im Rahmen des dreijährigen interprofessionellen Forschungsprojektes "Kinderwunsch bei psychisch kranken Frauen" pflegten die beiden St.Galler Psychiatrieverbunde eine kooperative Zusammenarbeit mit der Stiftung Dialog Ethik. Übergeordnetes Ziel des Projektes waren bewusst getroffene und reflektierte Reproduktionsentscheidungen von psychisch kranken Frauen, die eine möglichst gute Lebensqualität für sie selbst, ihre Partner und ihre Kinder zur Folge haben sollten. 

Konkret sollten mit dem Projekt folgende Ergebnisse erzielt werden:

  • Interprofessionell entwickelte Empfehlungen zur präkonzeptionellen Beratung psychisch kranker Frauen für Fachpersonen aus Psychiatrie und Gynäkologie
  • Informationsbroschüre für betroffene Frauen und Paare zum Thema Kinderwunsch

Lücke in der Beratungspraxis schliessen
Frauen mit psychischen Erkrankungen und Kinderwunsch trauen sich häufig nicht, diesen anzusprechen. Auch behandelnde Ärztinnen und Ärzte sprechen Patientinnen oft nicht darauf an und Unklarheiten bezüglich Behandlung mit Psychopharmaka in der Schwangerschaft führen zu Fehlentscheidungen. Eine umfassende Risikobeurteilung hinsichtlich Krankheitsverlauf und gesunder Entwicklung des Kindes ist dabei zentral. 

Wenn wir Frauen im gebärfähigen Alter in unserer Spezialsprechstunde Gynäkopsychiatrie behandeln, ist es notwendig, eine mögliche Schwangerschaft einzuplanen. Wir sprechen das Thema dann offen an und beraten dazu. Im oben genannten Forschungsprojekt fand während der letzten drei Jahre eine intensive Auseinandersetzung mit betroffenen Frauen und mit zuständigen Ärztinnen und Ärzten statt. Als Ergebnis entstanden zwei «Orientierungshilfen» (Informationsbroschüre für Frauen, Beratungsempfehlung für behandelnde Fachpersonen), welche jeweils das Thema Kinderwunsch ethisch, sozial, fachlich und unterstützend beleuchten.

Nutzen für Fachleute
Aus fachlicher Sicht freuen wir uns sehr, dass wir nun eine fundierte Empfehlung vorliegen haben, welche anführt, welche Aspekte bei der Behandlung bzw. Beratung von Frauen mit psychischen Erkrankungen im Hinblick auf ihren Kinderwunsch wichtig sind. Mit dem Forschungsprojekt konnte ein wissenschaftlicher Boden dafür gelegt werden, um Fachkolleginnen und Fachkollegen dafür gezielt zu sensibilisieren. Die Beratungsempfehlung ist künftig Teil unseres Behandlungskonzeptes und wir möchten diese vor allem auch bei unseren psychiatrischen Kolleginnen und Kollegen bekannt machen.

Unterstützung für betroffene Frauen
Ebenso steht nun den betroffenen Frauen eine Informationsbroschüre zur Verfügung, welche eine umfassende und intensive Auseinandersetzung mit dem Thema unterstützt. Idealerweise erfolgt diese vor Eintritt einer Schwangerschaft: Was brauche ich, damit ich psychisch gesund bleibe und wie ist dies mit der Versorgung (m)eines Babys vereinbar? Solche Fragestellungen können mit Hilfe der Broschüre diskutiert werden.
Die Broschüre wird bei uns künftig ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit sein und wir möchten sie aber auch bei Gynäkologinnen und Beratungsstellen bekannt machen.

Wir Ärztinnen freuen uns sehr über die relevanten Ergebnisse aus dem Projekt und den positiven Einfluss auf unseren Beratungs- und Behandlungsalltag mit Frauen und Paaren.

Autorin: Martina Gstöhl-Mathies, Oberärztin, Leiterin Gynäkopsychiatrie