Corona – Medikamente gegen Angst und Sorgen bergen Risiken

Medikamente
Der Verkauf von stimmungsaufhellenden Medikamenten und angstlösenden Beruhigungsmitteln stieg während der ersten Welle sprunghaft an. Wie gelingt der Umgang mit Angst, Erschöpfung und Sorgen ohne Medikamente?

Zunahme der Verkäufe bei Verschärfung der Corona-Massnahmen
Eine statistische Auswertung der IQVIA (globales Unternehmen, das Daten aus der Gesundheitsindustrie erhebt) zeigt auf, dass der Verkauf von stimmungsaufhellenden Medikamenten (Antidepressiva), angstlösenden Beruhigungsmitteln und Schlafmitteln in Schweizer Apotheken in der Zeit des Lockdowns in die Höhe schnellte, im Vergleich zur Vorjahresperiode um 40 Prozent. Danach gingen die Absätze wieder zurück. 

Grafik Medikamente im Lockdown

Wie wirken Antidepressiva?
Antidepressiva wirken stimmungsaufhellend und kommen hauptsächlich bei Depressionen zum Einsatz. Je nach Präparat können sie eine antriebsteigernde oder beruhigende Wirkung haben. Sie entfalten ihre Wirkung nur langsam. Bis zu zwei Wochen dauert es, bis sich der Körper auf das Medikament eingestellt hat. In den ersten Tagen der Einnahme wird typischerweise die unangenehme Nebenwirkung wahrgenommen, die mit der Anpassung des Körpers an das Medikament aber wieder verschwindet. Als mögliche Nebenwirkungen sind bekannt: Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Müdigkeit, Gewichtszunahme.

Nicht ohne ärztliche Verordnung einnehmen
Antidepressive Medikamente werden nach eingehender Abklärung, wenn indiziert, im Rahmen einer multimodalen Behandlung kombiniert mit Psychotherapie verordnet. Dabei müssen differentialdiagnostisch körperliche und psychische Erkrankungen ausgeschlossen werden, die auch Symptome einer Depression auslösen können, aber eine andere Behandlung benötigen. Auch wenn Antidepressiva nicht abhängig machen, handelt es sich doch um Medikamente, die auch Nebenwirkungen verursachen können. Bei einigen Präparaten sind regelmässige ärztliche Kontrollen (beispielsweise Labor oder EKG) nötig. Aus diesen Gründen sollen stimmungsaufhellende Medikamente nicht ohne ärztliche Verordnung eingenommen werden.

Wie wirken Beruhigungsmittel?
Sie entspannen, vermindern Ängste und fördern einen besseren Schlaf. Als mögliche Nebenwirkungen sind bekannt: übermässige Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit. 

Bei der Einnahme beachten 
Beruhigungsmittel können abhängig machen. In der Regel kommt es rasch zu einem Gewöhnungseffekt. Die täglich eingenommene Dosis muss dann für die gleiche Wirkung gesteigert werden. Gefährlich kommt hinzu, dass Beruhigungsmittel die Reaktionsgeschwindigkeit negativ beeinflussen. Die Bedienung von gefährlichen Maschinen, das Lenken eines Fahrzeuges, aber auch die Beaufsichtigung eines Kleinkindes ist dann nicht mehr sicher möglich. Beruhigungsmittel sollen daher ebenso nur nach ärztlicher Verordnung und nur zeitlich befristet eingenommen werden.

Selbstwirksamkeit ohne Medikamente
Auch in schwierigen Situationen kann durch eigenes Handeln etwas bewirkt und ein positiver Effekt erzielt werden, beispielsweise durch:  

  • Reaktivieren von Ressourcen die uns guttun
  • Konzentration auf das Wesentliche
  • Einplanen von Ruhezeiten, Achtsamkeit, Meditation
  • Aufleben lassen von Hobbies
  • Pflegen von Beziehungen
  • Bewusster Medienkonsum
  • Stopp der Reizüberflutung
  • Nein sagen üben

Autorin: Dr. med. univ. Angela Brucher, Chefärztin