Corona – den Jungen macht die Pandemie besonders zu schaffen

Junge unter Corona
Durch Social Distancing, Einschränkung von Sozialkontakten und unsichere Zukunftsaussichten sind junge Erwachsene von der Corona-Krise besonders betroffen. Was hilft und stärkt?

Aufbau soziales Netzwerk erschwert
Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen macht die Pandemie zu schaffen. weil das soziale Leben und der Austausch mit Gleichgesinnten stark eingeschränkt sind. «Junge Erwachsene sind besonders negativ von der sozialen Isolierung betroffen. Eine Erklärung dafür ist, dass sie noch nicht so stark in das soziale Netzwerk integriert sind wie ältere Personen», sagt Psychologe Claus Lamm der am Institut für Psychologie der Kognition, Emotion und Methoden der Universität Wien forscht. Aus seinen Studien zur ersten Lockdownphase geht hervor, wie unsichere Zukunftsaussichten und finanzielle Sorgen an den Nerven besonders der jungen Erwachsenen zerren und Stress erzeugen.

Bruchstellen in der Entwicklung
«In der Corona-Pandemie könnten in der Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen Bruchstellen entstehen, die für das weitere Leben prägend sein können», sagt Professor Klaus Hurrelmann, Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler an der Hertie School of Governance in Berlin.

Junge Erwachsene, die in dieser Zeit ihre Ausbildung abschliessen oder eine Lehrstelle suchen, haben je nach Bereich Probleme in den Arbeitsmarkt zu kommen. Im ganzen Hotellerie- und Gastronomie-sektor wird zum Beispiel kaum rekrutiert. Als Konsequenz müssen eben gerade auch Junge Arbeitslosengelder beziehen, noch bevor sie so richtig mit der Arbeit beginnen konnten. Das löst existentielle Sorgen aus und belastet das Selbstwertgefühl. 

Was junge Erwachsene während Corona stärkt?

  • Junge Menschen haben oft den Vorteil, dass sie mit neuen Medien und technischen Hilfsmitteln aufgewachsen sind und diese wie selbstverständlich anwenden können. Sie sind es gewöhnt, oft über soziale Medien zu kommunizieren. Diese Technikaffinität kommt ihnen zugute.
  • Viele Junge werden nun über den Zivilschutz, das Militär oder den Zivildienst in verschiedenen Sozialeinrichtungen eingesetzt. Diese Einsätze als Lernerfahrung sehen, und nicht als Leerzeit bis man endlich in den erlernten Beruf kann, könnte helfen.
  • Vielleicht ergeben sich auch sonst Möglichkeiten Freiwilligendienste zu erbringen, oder in Sozialbereichen auszuhelfen. In der Regel tut es gut sich nützlich zu fühlen und etwas beitragen zu können.
  • Viele brauchen sicher auch Geduld und Optimismus, um diese Zeit jetzt durchzustehen. Da helfen Gespräche mit Gleichgesinnten, Hobbies, Ruhe, Natur.
  • Vielleicht können manche die Zeit auch nützen um zu überlegen, was sie danach, wenn alles wieder in gewohnten Bahnen läuft, mit ihrem Leben machen wollen. Für grundlegende Reflexionen fehlt im Alltag sonst häufig die Zeit.

Was Junge weltweit beschäftigt
Das Jugendbarometer 2020 hat junge Leute zwischen 16 und 25 Jahren in Brasilien, Singapur, der Schweiz und in den USA zum Umgang mit dem Coronavirus und den dazugehörigen Auswirkungen auf ihr Leben befragt und liefert Ergebnisse dazu.

Was in der Schweiz beschäftigt
Das Generationen-Barometer 2020 fühlt den Puls der Schweizer Bevölkerung, zeigt die unterschiedlichen Spannungsfelder auf und will damit einen gesellschaftlichen Dialog über zukunftsfähige Beziehungen zwischen den Generationen anregen.

Autorin: Dr.med.univ. Angela Brucher, Chefärztin