Angst- und Stresserkrankungen am Arbeitsplatz

Stress am Arbeitsplatz
Angst- und Stresserkrankungen im Berufsleben haben zugenommen. Wer psychisch erkrankt ist, scheut sich zudem oft, am Arbeitsplatz darüber zu sprechen.

Zunahme von Stress
Stress und psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz haben zugenommen. Die Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2017 zu Arbeit und Gesundheit zeigen auf, dass Stress in der Arbeitswelt immer mehr zur Belastung wird. So leiden 21 Prozent der Erwerbstätigen an ihrem Arbeitsplatz sehr oft unter Stress. Die Hälfte der gestressten Personen fühlen sich bei der Arbeit emotional erschöpft und weisen ein höheres Burn-out-Risiko auf. 

Psychosoziale Risiken
Psychosoziale Belastungen sind arbeitsorganisatorisch bedingt und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, sich bei der Arbeit emotional verbraucht zu fühlen. Personen, die unter mehreren psychosozialen Risiken leiden, schätzen ihren Gesundheitszustand als mittelmässig oder schlecht ein. Die Risiken entstehen unter anderem durch:

  • Hohen Zeitdruck
  • Geringen Gestaltungsspielraum
  • Fehlende Unterstützung durch Vorgesetzte oder Mitarbeitende
  • Diskriminierung oder Gewalt
  • Angst um den Arbeitsplatz
  • Stress
  • Schmerzhafte oder ermüdende Körperhaltungen
  • Emotionale Beanspruchungen
  • Fehlende Wertschätzung
  • Schwierigkeiten in der Kommunikation mit dem Arbeitgeber
  • Unsichere Arbeitsplatzverhältnisse 
  • Ungünstiges Verhältnis zwischen Ressourcen und Belastungen
  • Mobbing

Job-Stress-Index 
Die Gesundheitsförderung Schweiz ermittelt seit 2014 regelmässig Kennzahlen zu arbeitsbedingtem Stress und zu dessen Zusammenhängen mit Gesundheit und Produktivität von Erwerbstätigen in der Schweiz (Verhältnis von arbeitsbezogenen Belastungen und Ressourcen, Erwerbstätige mit Job-Stress-Index im kritischen Bereich befindet, Anteil mit emotionaler Erschöpfung, ökonomisches Potenzial durch Reduktion von arbeitsbezogenem Stress).

Der Job-Stress-Index 2020 zeigt erneut Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen, Stress und emotionaler Erschöpfung auf. Dabei tragen nicht nur ungünstige Arbeitsbedingungen (sie gehören zu den wichtigsten Einflussfaktoren) sondern auch private Belastungen zum Stress bei. Alle Altersgruppen weisen einen Anteil im kritischen Bereich auf, junge Erwerbstätige zwischen 16 und 24 Jahren den höchsten im Vergleich zu den anderen. Darstellung: Anteile der Erwerbstätigen in Prozent im vorteilhaften, sensiblen und kritischen Bereich des Job-Stress-Index nach Altersgruppen (Quelle Gesundheitsförderung Schweiz).

Grafik Job-Index

Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch wenn:

  • Das Verhältnis zwischen Ressourcen und Belastungen am Arbeitsplatz aus dem Gleichgewicht geraten ist
  • Sich belastende Gedanken in Bezug auf den Arbeitsplatz festsetzen
  • Angst- oder Überforderungsgefühle auftreten 
  • Die belastende Situation auch andere Lebensbereiche beeinflusst (Familie, Partnerschaft).
  • Gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten (Schlafstörungen, fehlender Appetit)

Unterstützung für unsere Patientinnen und Patienten
Patientinnen und Patienten unterstützen wir nach der Erkrankung oder Krise bei ihrer beruflichen und sozialen Integration, damit sie im Alltag ankommen, am Leben wieder teilnehmen können und ihnen neue Perspektiven Kraft geben. Dabei ist die Koordinierte Intervention integraler Bestandteil der ambulanten und tagesklinischen Behandlung und beinhaltet: Berufliche Beratung und Begleitung zur Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit, Erhalt des Arbeitsplatzes, Unterstützung in persönlichen und sozialen Fragen (Arbeitsrecht, Sozialversicherungen, Finanzen) und die Vernetzung und Koordination der Hilfen von verschiedenen Dienstleistungserbringern und den Angehörigen, um festgelegte Ziele gemeinsam zu erreichen. 

Unser spezielles Kursangebot
Wie kann ich als Betroffene bzw. Betroffener den Arbeitsalltag trotz psychischer Probleme bewältigen? Wie kann ich besser mit einer schwierigen Situation am Arbeitsplatz umgehen? Was kann ich tun, wenn meine Gesundheit unter der Arbeitsplatzsituation leidet? In unserem Kurs «Stress und Gesundheit am Arbeitsplatz» setzen sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit relevanten Aspekten auseinander beispielsweise: arbeitsplatz- und persönlichkeits-bezogene Faktoren, Erkrankung und Einfluss auf die Arbeitstätigkeit, Kommunikation und Unternehmenskultur, mit psychischer Erkrankung im Anstellungsverhältnis und auf Stellensuche. Zudem werden wertvolle Inhalte zu Themen wie Prävention und Resilienz (was kann ich verändern?) und Arbeitsrecht (Sperrfristen, Krankentaggeldversicherung, SVA, RAV) vermittelt und sie erlernen im Rahmen von Rollenspielen, in schwierigen Gesprächssituationen sicher aufzutreten.

Autor: Franco Schneller, Bereichsleiter Koordinierte Intervention